7. Väter und Stillen

Viele Studien belegen die Bedeutung des Vaters für den Stillerfolg oder -misserfolg. Bei einer Untersuchung des Stillverhaltens in Bayern z. B. wurde neben anderem auch die Einstellung des Vaters erfragt. War seine Einstellung zum Stillen negativ, betrug das Risiko, dass die Mutter nicht stillte, fast das 22fache gegenüber dem Risiko einer Frau, deren Partner dem Stillen positiv gegenüber stand. Auch auf die Stilldauer hatte er Einfluss.

Die größten Risikofaktoren für Zufüttern und Abstillen vor vier Monaten nach der Geburt waren zunächst das Auftreten von Stillproblemen, dann das Rauchen, geringe Schulbildung, Alter der Mutter unter 25 Jahren – und als fünftes eine ablehnende Haltung des Vaters: Hier war das Risiko, dass die Mutter nach vier Monaten nicht mehr voll stillte, um den Faktor 2,36 erhöht (2). Und umgekehrt: Bei einer Untersuchung der Frage, woher stillende Mütter Unterstützung bekommen, spielten die Väter in der Dimension Ermutigung / Entscheidungen / Vertrauen eine herausragende Rolle (zitiert nach (1)).

Damit erhebt sich die Frage, ob, und wenn ja, wie, die Väter als Unterstützer des Stillens ins Boot geholt werden können. Dazu benötigen sie zum einen genau wie die Mütter korrekte Information, die nicht von wirtschaftlichen Interessen gefärbt ist. Zum anderen müssen ihre Fragen, ihre Bedenken und Sorgen und eventuelle kulturelle Vorbehalte wahrgenommen und ernst genommen werden.

Pisacane (3) hat untersucht, wie sich konkrete Information der Väter auswirkt. Bei seiner Studie hatte jeder Vater kurz nach der Geburt ein persönliches Gespräch von 40 Minuten Dauer mit einer Hebamme. In der Kontrollgruppe drehte sich das Gespräch um allgemeine Fragen der Betreuung eines Säuglings und um die gesundheitlichen Auswirkungen des Stillens. In der Interventionsgruppe wurden die Väter ganz konkret über die Handhabung des Stillens, mögliche Stillprobleme und deren Bewältigung informiert, ihre Bedenken wurden aufgegriffen und ihre besondere Rolle betont. Diese Intervention führte dazu, dass nach 6 Monaten 25% der Mütter in der Interventionsgruppe noch voll stillten, gegenüber 15% der Mütter in der Kontrollgruppe.

Abou-Dakn und sein Team (1) haben die werdenden Väter während der Schwangerschaft angesprochen. Die üblichen Paarkurse zur Geburtsvorbereitung bildeten die Kontrollgruppe. In der Interventionsgruppe haben sie die Väter aus den Paarkursen zu einem separaten Treffen eingeladen, das von einem Mann (Klinikarzt) geleitet wurde. Hier wurden die Väter vor allem auf ihren „Einsatz“ im Kreißsaal vorbereitet, aber auch das Stillen wurde angesprochen. Im Zentrum standen die Bedenken und Fragen der werdenden Väter, die sie in diesem geschützten Raum, nur unter Männern, ganz anders äußern konnten als im Paarkurs.

Nach dieser separaten Vorbereitung waren die Paare mit dem gemeinsamen Geburtserlebnis deutlich zufriedener. Und der Stillerfolg war deutlich größer: In der Interventionsgruppe haben 144 von 164 Müttern überhaupt gestillt (78%), gegenüber 102 von 159 Müttern (64%). Die Frage an die Mütter, „War Ihr Partner dafür, dass Sie länger als vier Monate stillen?“, haben in der Interventionsgruppe 73% bejaht, in der Kontrollgruppe nur 30%.

Gesprächsmöglichkeiten von Mann zu Mann könnten auch in anderen Bevölkerungsgruppen ein lohnender Ansatz sein.

So manche hilfreichen Gespräche finden auch ganz informell am Arbeitsplatz oder auf dem Sportplatz von Vater zu (werdendem) Vater statt – das lässt sich allerdings nicht flächendeckend einrichten.

Aber wenigstens lässt sich das "AFS-Faltblatt „Stillkinder brauchen ihren Vater flächendeckend verteilen.

Literatur

  1. Abou-Dakn M, Schlag S.: Einfluss des Vaters auf das Stillen. Vortrag beim Fachtag Bremen 2009
  2. Kohlhuber M, Rebhan B, Schwegler U, Koletzko B, Fromme H.: Breastfeeding rates and duration in Germany: a Bavarian cohort study. British Journal of Nutrition (2008), 99, 1127–1132
  3. Pisacane A, Continisio GI, Aldinucci M, D’Amora S, Continisio P.: A controlled trial of the Father’s Role in Breastfeeding Promotion. Pediatrics 2005;116: e494-e498

Utta Reich-Schottky
Medizinischer Beirat AFS und Gutachterin BFHI

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aus: Stillzeit. Die Fachzeitschrift der AFS. Heft 3/2010, S. 14

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