Papa kann auch stillen - Lohaus/Scholz

In ihrem Buch "Papa kann auch stillen" schreiben Stefanie Lohaus und Tobias Scholz, wie sie in ihrer Familie das Prinzip 50/50 leben.

Die beiden Autoren haben sich schon in der Schwangerschaft mit Sohn Johann dazu entschlossen, alle Bereiche, also Erwerbsarbeit, Kindererziehung, Haushalt und Freizeit, gleichmäßig aufzuteilen. Dieses Prinzip durchzieht auch das Buch selbst, denn die einzelnen Kapitel sind immer abwechselnd von ihr und von ihm geschrieben. So kommen beide Perspektiven gleichberechtigt zur Sprache.

Dadurch ist Stefanie Lohaus und Tobias Scholz ein sehr spannendes Buch gelungen, das viele interessante Einblicke in das Familienleben der Autoren bietet. Es werden alle wichtigen Themen angesprochen und auch Konflikte werden nicht ausgespart. Dennoch ist das Buch zu keiner Zeit dirigistisch. Es gibt kein "So müsst ihr das machen." aber viele "So haben wir das gelöst." Papa kann auch stillen ist kein Ratgeber, sondern ein Erfahrungsbericht.

Kann Papa auch stillen?

Klar. Zwar nicht mit der Brust, aber auch Papa kann Bedürfnisse stillen. Stefanie Lohaus und Tobias Scholz ist das gelungen, indem er z. B. das Tragen übernommen hat. Überhaupt ist der Glaube, ein Baby könne nur eine Bezugsperson (unterschwellig mitgedacht: die Mutter) haben, ein Ammenmärchen. Auch dies wird im Buch deutlich. Und auch, welche Bereicherung das 50/50-Prinzip für die Väter darstellt.

Ein Wort zum Thema Stillen

Leider hat die Autorin wohl schlechte Erfahrung in einer Berliner Stillgruppe gemacht. Die Gruppenleitung (es wird nicht spezifiziert, ob Hebamme, IBCLC, LLL oder AFS) scheint sehr dirigistische Ratschläge erteilt zu haben. Das ist Stefanie Lohaus sauer aufgestoßen – zu Recht wie ich finde.

Insgesamt scheint sie dem Stillen gegenüber ambivalente Gefühle zu haben. Einerseits wird es als Hemmnis für die freie Entfaltung der Frau gesehen. Sie schreibt, dass das Stillen sehr stark propagiert würde, und stellt Studien, die dem Stillen positive Effekte zusprechen, in Frage. Leider tut sie das bei Studien, die z. B. eine frühe Beikosteinführung propagieren, nicht. Informationen zur Vereinbarkeit von Stillen und Erwerbstätigkeit fehlen auch. Hier hätte ich mir mehr gewünscht, zumal sie schreibt, dass sie am Arbeitsplatz gestillt hat.

Dennoch hat die Autorin acht Monate gestillt und gibt zu, dass ihr der Abschied vom Stillen schwer gefallen sei (erklärt aber nicht, warum sie nicht länger gestillt hat). Außerdem äußert sie Verständnis für Mütter, die länger als ein Jahr stillen.

Einschätzung und Empfehlung

Gerne hätte ich noch seine Sicht auf die Themen Stillen und Sex gelesen und auch ihre Sicht zu Feedback, dass sie von anderen Müttern und Vätern erhalten hat. Ansonsten ist das Buch absolut lesenswert. Nicht zuletzt, weil hier nicht darüber geschrieben wird, was alles nicht geht, sondern immer lösungsorientiert gedacht wird. Daher kann ich das Buch "Papa kann auch stillen" nur wärmstens empfehlen.

Informationen zum Werk

Autoren: Stefanie Lohaus, Tobias Scholz

Über die Autoren: Stefanie Lohaus ist Gründerin des Missy Magazins und arbeitet als freie Journalistin. Tobias Scholz arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der FU Berlin. Gemeinsam mit Stefanie Lohaus organisieren beide die Jobs und das Familienleben nach dem 50/50 Prinzip.

Titel: Papa kann auch stillen. Wie Paare Kind, Job & Abwasch unter einen Hut bekommen.

Verlag: Goldmann Verlag 2015 (19.01.2015)

ISBN-Nummer: ISBN: 978-3-442-15831-7

Uta Tanzer, AFS-Stillzeit 02/2015

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