The Politics of Breastfeeding

Die schlechte Nachricht vorneweg: Das Buch von Gabrielle Palmer gibt es leider nur auf Englisch. Dabei stehen in ihm so viele wichtige Informationen, dass es schön wäre, es auch dem deutschsprachigen Publikum zugänglich zu machen.

Gabrielle Palmer ist Ernährungswissenschaftlerin und Stillberaterin. Sie hat die englische Stillorganisation „Baby Milk Action“ mitgegründet und setzte sich seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts bis zu ihrem Ruhestand im Jahr 2009 aktiv für die Stillförderung weltweit ein. Dazu reiste sie nach Mosambik und China und arbeitete unter anderem für UNICEF.

Ihr Buch „The Politics of Breastfeeding“ erschien erstmals 1988 und ist aktuell in der 2009 erschienenen komplett überarbeiteten 3. Auflage erhältlich. In ihm berichtet die Autorin über das Stillen, indem sie zeigt, wie viele Lebensbereiche direkt und indirekt das Stillen beeinflussen. Sie berichtet über die historische Entwicklung der heute aktuellen Still(un)kultur und den Einfluss der Formulafirmen auf das Bild vom Stillen. Sie berichtet über die ethischen, ökonomischen, gesundheitlichen und sozialen Auswirkungen dieser Entwicklung und illustriert ihre Ausführungen mit zahlreichen Studien. Sie bietet so eine umfassende Information über das Stillen und über die Nachteile der Formula. Dabei will sie keiner Mutter vorschreiben zu stillen. Sie schreibt dazu:

Every woman has the right to make decisions about her body. Any coercion to breastfeed is not just morally unacceptable, it is impractical; in the end only a woman and her baby can make breastfeeding happen. A woman has the right not to breastfeed, but she must be fully informed of the effects on her child and herself. And of course in many places not breastfeeding can mean death. Every woman has a right to that knowledge and to be supported to breastfeed. (S. 345)

Sie setzt sich also für eine informierte Entscheidung der Frauen ein und liefert die notwendigen Informationen für diese Entscheidung gleich in ihrem Buch mit. Dabei zeigt sie deutlich auf, welche Auswirkungen Nicht-Stillen auf die Gesundheit von Mutter und Kind haben kann und wie dennoch das Stillen von Formulafirmen zum Teil systematisch boykottiert wird. Dabei behält sie durchgehend eine globale Perspektive bei, was viele interessante Einblicke ermöglicht, die wir sonst in unserer auf Europa fokussierten Sicht nicht auf dem Schirm haben.

Es finden sich auch viele Informationen über den Kodex und den Nestlé-Boykott im Buch. Im umfangreichen Anhang findet man alle einschlägigen Dokumente zum Schutz des Stillens, wie z. B. die Innocenti-Deklaration und die 10 Schritte.

So ist „The Politics of Breastfeeding“ ein sehr spannendes und interessantes Buch, was den Horizont erweitert und viele neue Perspektiven aufzeigt. Ich kann das Buch nur jeder Beraterin ans Herz legen.

Informationen zum Werk

Autorin: Gabrielle Palmer

Über die Autorin: Gabriele Palmer ist Gründerin der englischen Stillorganisation "Baby Milk Action", Ernährungswissenschaftlerin und Stillberaterin.

Titel: „The politics of breastfeeding: When breast are bad for business.“

Verlag: Pinter & Martin Ltd.; 3rd Revised edition edition (29 April 2009)

ISBN-Nummer: ISBN: 190517716X

Uta Tanzer, Stillzeit 2/2016

Verhüten ohne Hormone - Dr. med. Dorothee Struck

Die Grundeinstellung der Autorin ist, dass „Fruchtbarkeit ein Geschenk [ist], keine Krankheit, die ausgerottet werden muss“. Sie vermittelt Grundwissen zu körperlichen und hormonellen Zusammenhängen und geht dann ausgiebig auf die überraschend vielfältigen Möglichkeiten der hormonfreien Verhütung ein: Spirale (inklusive historischem Überblick seit Hippokrates – spannend!), Barrieremethoden wie das Diaphragma, chemische Verhütungsmittel, NFP und Co., Sterilisation und auch Coitus interruptus.

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Papa kann auch stillen - Lohaus/Scholz

In ihrem Buch "Papa kann auch stillen" schreiben Stefanie Lohaus und Tobias Scholz, wie sie in ihrer Familie das Prinzip 50/50 leben.

Die beiden Autoren haben sich schon in der Schwangerschaft mit Sohn Johann dazu entschlossen, alle Bereiche, also Erwerbsarbeit, Kindererziehung, Haushalt und Freizeit, gleichmäßig aufzuteilen. Dieses Prinzip durchzieht auch das Buch selbst, denn die einzelnen Kapitel sind immer abwechselnd von ihr und von ihm geschrieben. So kommen beide Perspektiven gleichberechtigt zur Sprache.

Dadurch ist Stefanie Lohaus und Tobias Scholz ein sehr spannendes Buch gelungen, das viele interessante Einblicke in das Familienleben der Autoren bietet. Es werden alle wichtigen Themen angesprochen und auch Konflikte werden nicht ausgespart. Dennoch ist das Buch zu keiner Zeit dirigistisch. Es gibt kein "So müsst ihr das machen." aber viele "So haben wir das gelöst." Papa kann auch stillen ist kein Ratgeber, sondern ein Erfahrungsbericht.

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