Lancet-Serie: Stillen rettet Leben[1]

Im Januar veröffentlichte The Lancet eine Serie zum Stillen, die auch in vielen Zeitungen Schlagzeilen machte. Stillen könne jährlich über 800.000 Leben retten, hieß es. Was steht nun aber wirklich in der Veröffentlichung der renommierten Fachzeitschrift?

Die Artikelreihe besteht aus einem Editorial, zwei Fachartikeln und zwei Kommentaren. Es handelt sich um eine Serie, bei der die Autoren 28 Studien und Meta-Analysen über das Stillen ausgewertet haben. Die Schlussfolgerungen der Autoren der Serie sind deutlich: Muttermilch macht die Welt gesünder, klüger und gleicher.

Denn durch das Stillen könnten nicht nur über 300 Milliarden US-Dollar jährlich eingespart werden, es könnten auch der Tod von 823.000 Babys und 20.000 Müttern verhindert werden.

Demnach liege der Nutzen des Stillens in höherer Intelligenz, weniger Infektionen, und wahrscheinlichem Schutz vor Diabetes und Übergewicht sowie in Schutz vor Krebs bei den stillenden Müttern. Auch das SIDS-Risiko wird durch das Stillen erheblich gemindert.

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

  • Länger gestillte Kinder haben eine geringere Sterblichkeit durch Infektionen, weniger Zahnfehlstellungen und sind intelligenter als solche, die kürzer oder gar nicht gestillt wurden. Diese Ungleichheit besteht auch über die Stillzeit hinaus.
  • Darüber hinaus weisen die Ergebnisse darauf hin, dass Stillen auch gegen späteres Übergewicht und Diabetes helfen könnte.
  • Stillen nützt den Müttern, indem es Brustkrebs vorbeugt, die Geburtenfolge beeinflusst und das Risiko für Eierstockkrebs und Diabetes reduzieren kann.
  • Einkommensstarke Länder haben kürzere Stillzeiten als Länder mit geringen und mittleren Einkommen. Dennoch werden auch in diesen Ländern nur 37 Prozent der Babys unter sechs Monaten ausschließlich gestillt.
  • Wenn die Stillrate erhöht würde, könnte dies ca. 823.000 Tote Babys und 20.000 Tode durch Brustkrebs verhindern.
  • Studien mit neuen biologischen Untersuchungsmethoden legen nahe, dass Muttermilch als personalisierte Medizin für Babys angesehen werden kann.
  • Stillförderung ist sowohl in reichen als auch in armen Ländern wichtig und könnte zur Erreichung der Entwicklungsziele der UNO beitragen.

Stillförderung ausbauen

Die Autoren der Serie kommen zu dem Schluss, dass die Stillförderung weiter ausgebaut werden muss. Diesem Thema widmet sich der zweite Teil der Reihe. Hierin wird vor allem dargelegt, dass die Frauen, die Stillen wollen immer noch zu wenig Unterstützung erfahren. Dies müsse aber nicht so sein, denn es sei den Ländern möglich, die Stillraten schnell mit Hilfe bereits erprobter und bestehender Programme wie z. B. den 10 Schritten zum erfolgreichen Stillen zu verbessern. Dies ist vor allem deswegen nötig, weil der Stillerfolg nicht allein von den stillenden Frauen abhängt. Stillförderung und -unterstützung liegt daher in der kollektiven Verantwortung der Gesellschaft.

Problematisch wird in diesem Zusammenhang das aggressive Marketing von Muttermilchersatzprodukten durch die Formula-Industrie gesehen. Diese unterwandert oft die Bestrebungen, Stillraten zu verbessern. Die Autoren der Serie schätzen die ökonomischen Verluste durch die derzeitig niedrigen Stillraten auf 302 Milliarden Dollar jährlich. Gleichzeitig geben sie aber an, dass hier systematische Untersuchungen fehlen und fordern diese ein. Sicher ist nur, dass politische Unterstützung und finanzielle Investitionen der Regierungen notwendig sind, um das Stillen zu schützen, zu fördern und zu unterstützen, damit die Gesundheit von Müttern, Kindern und der Gesellschaft insgesamt verbessert werden könnten. Dies dient auch der Erreichung der Nachhaltigkeitsziele von WHO und UNO. Stillförderung kann hier helfen, viele dieser Ziele zu erreichen.

In den Kommentaren zur Serie wird vor allem auf den Einfluss der Formula-Industrie eingegangen. Deren Marketing erzielt in manchen Ländern ein Wachstum des Formulamarktes um bis zu 10% jährlich. Dies ist ein massives Stillhindernis, da die Marketingausgaben der Formulakonzerne die Ausgaben der Regierungen für Stillförderung um ein Vielfaches übersteigen.

So ist Muttermilchersatz von einer Spezialnahrung für Ausnahmefälle längst zu einer normalen Form der Säuglingsernährung geworden. Dies wird auch durch den Kodex zur Vermarktung von Muttermilchersatzprodukten nicht verhindert, da zwar in vielen Ländern entsprechende Gesetze und Regelungen existieren, diese aber nicht effektiv überwacht und Verstöße nicht geahndet werden. Dies müsse dringend geändert werden, denn Stillen könne einen großen Unterschied machen für die Lebensqualität von Müttern und Kindern weltweit.

Quelle

http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736%2816%2900210-5/fulltext

http://www.thelancet.com/series/breastfeeding

Uta Tanzer, AFS-Stillberaterin

erschienen Stillzeit 2/2016


[1]In diesem Artikel ist immer wieder vom Nutzen und den Vorteilen des Stillens die Rede. Ich bin mir bewusst, dass es besser wäre, von den Nachteilen des Nicht-Stillens zu reden, da Stillen die biologische Norm darstellt. Dennoch habe ich diese Form gewählt, weil sie genauso auch von den Autoren der Lancet-Serie benutzt wird.

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