Internationale Studien zum wirtschaftlichen Nutzen des Stillens (Zusammenfassung)

Diese Zusammenfassungen internationaler Studien wurden der Publikation Quantifying the Benefits of Breastfeeding: A Summary of the Evidence entnommen, welche die Pan American Health Organization (PAHO) im Jahr 2002 veröffentlicht hat. Neben den wirtschaftlichen Aspekten des Stillens wird dort auch der Einfluss des Stillens auf Morbidität und Mortalität, auf intellektuelle und motorische Entwicklung, auf chronische Erkrankungen und auf die mütterliche Gesundheit thematisiert.

Wirtschaftlicher Nutzen des Stillens in Uganda

Davis P. Time allocation and infant-feeding pattern: Women’s work in the informal sector in Kampala, Uganda. Wellstart International’s Expanded Promotion of Breastfeeding Working Paper. Washington, DC. 1996.

[Muster der Zeiteinteilung und Säuglingsernährung: Frauenarbeit im informellen Sektor im ugandischen Kampala]

Land: Uganda

Diese Arbeit beschreibt das Verhältnis von für die Ernährung von Säuglingen aufgewendete Zeit und Marktarbeitstätigkeiten bei Frauen im informellen Sektor im ugandischen Kampala. Die Ergebnisse zeigen, dass die Frauen einen großen Teil ihrer Zeit mit dem Stillen ihrer Säuglinge verbringen. Durchschnittlich 3,7 Stunden eines 14-Stunden-Tages wurden für das Stillen von Säuglingen jeden Alters aufgewendet, und 5,4 Stunden für das Stillen von Säuglingen unter 4 Monaten. Im Gegensatz dazu verbrachten die Mütter nur unbedeutende Mengen von Zeit mit der Gabe anderer Nahrungsmittel, da diese üblicherweise durch andere Personen verabreicht wurden. Die auf das Stillen aufgewendete Zeitmenge (klassifiziert als viel, mittel und wenig) war signifikant und umkehrt proportional zu dem für Markttätigkeiten aufgewendeten Zeitanteil. Allerdings gab es keinen Zusammenhang zwischen der mit Markttätigkeiten verbrachten Zeit (klassifiziert als viel, mittel und wenig) und dem für das Stillen aufgewendeten Zeitanteil. Das lag daran, dass die Zeitanteile, die für Markttätigkeiten und Stillen aufgewendet wurden, sich deutlich je nach den einzelnen Aktivitäten unterschieden. Auch war die Zeitmenge, die mit Arbeiten im Haushalt verbracht wurde, signifikant und umgekehrt proportional zu dem auf Marktaktivitäten aufgewendeten Zeitanteil, woraus sich schließen lässt, dass Hausarbeiten eine stärkere zeitliche Einschränkung für die Markttätigkeiten darstellen als das Stillen.

 

Wirtschaftlicher Nutzen des Stillens in Indonesion

Gryboski KL. Maternal and non-maternal time-allocation to infant care, and care during infant illness in rural Java, Indonesia. Soc Sci & Med 1996;43:209-19.

[Aufwendung mütterlicher und nicht-mütterlicher Zeit für die Säuglingspflege, und Pflege von erkrankten Säuglingen im ländlichen Java, Indonesien]

Land: Indonesien

Der Zeitaufwand für das Stillen und der Zeitaufwand für die Versorgung kranker Säuglinge sind zu wichtigen zu berücksichtigenden Faktoren bei der Quantifizierung des wirtschaftlichen Wertes des Stillens geworden. Diese Arbeit beschreibt die von der Mutter und von anderen Personen aufgewendete Zeitmenge für die Versorgung von Säuglingen an symptomfreien und kranken Tagen. Es wurde ein Längsschnittdesign wiederholter Besuche in den Haushalten gewählt. Die Zeit, die mit den einzelnen Alltagsaufgaben verbracht wurde, wurde anhand von Beobachtungen aufgezeichnet. Die Ergebnisse zeigen, dass an einem Drittel der in der Studie beobachteten Tage die Säuglinge von anderen Personen als der Mutter oder von anderen Personen zusätzlich zur Mutter gefüttert wurden. Die Daten sind nicht so aufbereitet, dass sich die für das Füttern oder die Versorgung kranker Kinder aufgewendeter Zeit den verschiedenen Ernährungsmethoden zuordnen lässt.

 

Wirtschaftlicher Nutzen des Stillens in Brasilien, Honduras und Mexiko


Horton S, Sanghvi T, Phillips M, Fiedler J, Perez-Escamilla R, Lutter C, et al. Breastfeeding promotion and priority setting in health. Health Policy and Planning 1996;11(2):156-68.

[Förderung des Stillens und Setzen von Gesundheitsprioritäten]

Länder: Brasilien, Honduras, Mexiko

Diese Arbeit untersucht die Kosteneffektivität von krankenhausbasierten Stillförderprogrammen. Die Schätzungen der Effektivität beruhen auf 3 krankenhausbasierten Programmen in Brasilien, Honduras und Mexiko. Zur Ermittlung der Kosten wurden die Kosten für Schulung, Kurse und Unterstützung auf der Entbindungsstation, vor- und nachgeburtliche Kurse und Gerätschaften geschätzt. Zur Bestimmung der Einsparungen wurden die Rückgänge beim Einkauf künstlicher Säuglingsnahrung sowie die Veränderungen bei Geburtspraktiken und Arzneimittelgebrauch geschätzt. Die Berechnungen der Kosteneffektivität stützten sich auf den geschätzten Rückgang der durch akute Atemwegserkrankungen und Durchfälle bedingten Mortalität. Ausgehend von den geschätzten Rückgängen der Mortalität wurden die Kosten pro behinderungsgewichtetem Lebensjahr (DALY), das durch eine Zunahme des Stillens gewonnen wurde, auf 4 bis 19 USD geschätzt. Diese Werte waren vergleichbar mit denen, die aus einer Eindämmung von Masern- und Rotavirusinfektionen gewonnen wurden, und geringer als die für die orale Rehydrationstherapie. Die Kosten für die Stillförderung pro Geburt betrugen 0,30 bis 0,40 USD, solange die Einsparungen durch die Abschaffung von Einkäufen von Säuglingsnahrung einbezogen worden, und 2 bis 3 USD, wenn diese Einsparungen nicht länger mit der Stillförderung aufgerechnet wurden.


Cohen RJ, Haddix K, Hurtado E, Dewey KG. Maternal activity budgets: Feasibility of exclusive breastfeeding for six months among urban women in Honduras. Soc Sci & Med 1995;41:527-36.

[Mütterliche Tätigkeitsbudgets: Durchführbarkeit von sechsmonatigem Vollstillen bei städtischen Frauen in Honduras]

Land: Honduras

In dieser Studie wurden Daten aus zwei 12-Stunden-Beobachtungen im Heim der Familie 19 und 24 Wochen nach der Entbindung verwendet, um den mütterlichen Zeitaufwand des Vollstillens mit dem partiellen Stillen von Säuglingen im Alter von 4 bis 6 Monaten zu vergleichen. Es wurden zwei Gruppen partiell stillender Frauen berücksichtigt: solche, bei denen die Stillhäufigkeit in etwa der von vollstillenden Frauen entsprach, und solche, bei denen das nicht der Fall war. Die Ergebnisse zeigen, dass die Zeit, die für das Stillen aufgewendet wurde, in beiden Gruppen etwa gleich war und rund 75 Minuten pro 12-Stunden-Zeitraum betrug. Eine Ausnahme davon bildeten Frauen, die mehrere Kinder geboren hatten, in der Vollstillgruppe: Sie verbrachten nach 24 Wochen mehr Zeit mit Stillen als die Frauen in der partiellen Stillgruppe. Wenn die Gesamtzeit für das Füttern der Säuglinge berücksichtigt wurde (Stillen plus Zubereitung und Gabe von fester Nahrung) verbrachten die teilweise stillenden Frauen mehr Zeit mit dem Füttern als die vollstillenden Frauen (mit Ausnahme der Frauen mit mehreren Kindern nach 24 Wochen). So wendeten beispielsweise nach 19 Wochen die vollstillenden Erstgebärenden 71 ± 27 Minuten für das Stillen auf, dem in den beiden partiell stillenden Gruppen 99 ± 40 und 108 ± 38 Minuten gegenüberstanden (p < 0,01).

Dieser Vergleich unterschätzt die für Zubereitung von Babynahrung aufgewendete Zeit, da die Erstgebärenden mit Babygläschen versorgt wurden und die Babynahrung nicht frisch herstellen mussten. Die mit anderen Tätigkeiten verbrachte Zeit zeigt, dass sowohl die voll- als auch partiell stillenden Frauen in einem Zeitraum von 12 Stunden etwa 2 bis 3 Stunden mit Ausruhen, Unterhaltung und Fernsehen verbrachten. Die Mütter gaben jedoch an, lieber nur teilweise zu stillen, da dieses zeitsparender wäre. Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass in der untersuchten Population Zeit keinen begrenzenden Faktor für das Stillen darstellte, aber dennoch als solcher wahrgenommen wurde. Solche Wahrnehmungen sollten von Programmen zur Förderung des Vollstillens berücksichtigt werden.

 

Wirtschaftlicher Wert des Stillens in Belize


Huffman S, Steel A, Toure KM, Middleton E. Economic value of breastfeeding in Belize. Nuture: Center to Prevent Childhood Malnutrition. Washington DC, 1992.

[Wirtschaftlicher Wert des Stillens in Belize]

Land: Belize

In diesem Arbeitspapier wird ein Arbeitsbuch zur Bewertung des wirtschaftlichen Nutzens des Stillens verwendet, um diesen für Belize abzuschätzen. Die Gesamtkosten des Stillförderprogramms betrugen 84.000 USD pro Jahr, worin keine Kosten für die ehrenamtlich im Programm tätigen Personen enthalten sind. Bei den Kosten für die Ernährung mit künstlicher Säuglingsmilch wurden sowohl die direkten Kosten für Säuglingsnahrung und Hilfsmittel für die einzelnen Haushalte und den öffentlichen Sektor berücksichtigt als auch die indirekten Kosten, zu denen die übermäßige Säuglingsmorbidität und -mortalität und die mütterliche Fruchtbarkeit zählen, die sich durch optimale Stillpraktiken vermeiden ließen. Die landesweiten Kosten für die Ernährung mit der Flasche wurden auf 516.750 USD geschätzt (dabei wurde angenommen, dass zur Ernährung der Säuglinge zu 25 % importierte Trockenmilch verwendet wurde), sowie auf 62.000 USD für die zusätzlichen externen Kosten. Daten auf Landesebene für die Kosten von Flaschen, Saugern und anderen Bedarfsgütern für das Füttern mit der Flasche lagen nicht vor.
Ausgehend von Säuglingsernährungsdaten auf Landesebene und der Geburtenzahl pro Jahr wurden die direkten Kosten für die Haushalte für den Erwerb von Muttermilchersatzprodukten auf 716.400 USD für nichtgestillte Säuglinge und 489.000 USD für teilweise gestillte Säuglinge geschätzt. Schätzungen der jährlichen Krankenhauskosten für die Ernährung mit der Flasche im größten Krankenhaus, in dem ein Drittel aller Geburten stattfinden, beliefen sich auf 175.000 USD. Die indirekten Kosten durch eine übermäßige Morbidität (Durchfälle, akute Atemwegsinfektionen) wurden nicht geschätzt. Die landesweiten Daten zur Verbreitung dieser Krankheiten, zur Behandlungsrate pro Fall und zu den Behandlungskosten der einzelnen Krankheiten lassen jedoch vermuten, dass mit dieser übermäßigen Morbidität erhebliche Kosten verbunden sind. Die Kosten im Zusammenhang mit geringerer Fruchtbarkeit und Umweltschäden wurden nicht quantifiziert.

 

Wirtschaftlicher Nutzen des Stillens in Jamaika


Melville BF. Letter to the editor: Can low income women in developing countries afford artificial feeding? J Trop Pediatr 1991;37:141–2.

[Können sich Frauen mit geringem Einkommen in Entwicklungsländern das Füttern mit künstlicher Säuglingsnahrung leisten?]

Land: Jamaika

In dieser Zuschrift werden die monatlichen Kosten für die Ernährung eines 3 Monate alten Säuglings mit künstlicher Säuglingsnahrung untersucht und die Ergebnisse als prozentualer Anteil der monatlichen Nettogehälter in ausgewählten Berufen ausgedrückt. Die Daten wurden in den ersten vier Monaten des Jahres 1990 erhoben. Die Kosten wurden auf 43,30 USD/Monat berechnet (wovon über 90 % für den Ankauf von Säuglingsnahrung anfallen). Die Kosten für Flaschen, einen Kochtopf für die Sterilisierung und für Brennstoff betrugen zusätzliche 3,40 USD/Monat. Diese Kosten betrugen 90 %, 78 %, 36 %, 22 % bzw. 26 % des Monatsgehalts einer Haushaltshilfe/Mindestlohnempfängerin, Gemeindeschwester, Bürokraft, Krankenschwester bzw. Lehrerin. Der Autor schätzt, dass der wirtschaftliche Verlust durch nicht genutzte Muttermilch, der durch den beobachteten Rückgang um 17 % der Zahl der Frauen, die nach 6 Wochen noch vollstillen, verursacht wurde, mehr als 200.000 USD in Fremdwährungen betrug. Es wird außerdem eine Studie zitiert, die nachweist, dass die Ernährung mit künstlicher Säuglingsnahrung so viel kostet wie die Ernährung einer fünfköpfigen Familie mit Grundnahrungsmitteln. In der Zuschrift werden auch die Gesundheitsrisiken für Säuglinge durch verunreinigte und verdünnte Kunstmilch angesprochen, jedoch nicht quantifiziert.

Wirtschaftlicher Nutzen des Stillens in Peru

 

Huffman S, et al. Assessment of infant feeding in Peru. Chapter XIV. Economic value of breastfeeding. Wellstart International. Washington, DC . 1992.

[Bewertung der Säuglingsernährung in Peru. Kapitel XIV. Wirtschaftlicher Wert des Stillens]

Land: Peru

Die Bewertung enthält ein Kapitel, das für 1991 die im öffentlichen Sektor entstandenen Kosten für die Stillförderung mit den Kosten unzureichender Stillpraktiken vergleicht. Im Anhang wird ein Arbeitsbuch für die Bewertung des wirtschaftlichen Nutzens des Stillens in Peru mitgeliefert. Insgesamt schätzen die Autoren, dass 742.300 USD im öffentlichen Sektor für die Stillförderung ausgegeben wurden, und dass Steuereinnahmen in Höhe von 463.200 USD aus der Produktion von künstlicher Säuglingsnahrung im Land erzielt wurden. Dem gegenübergestellt wurden die folgenden Aufwendungen des öffentlichen Sektors für die Gesundheitsversorgung, die durch suboptimale Säuglingsernährung erforderlich wurden: 946.750 USD für die Behandlung von Durchfällen und akuten Atemwegsinfektionen; 50.400 USD für die Flaschenernährung in Einrichtungen; 541.400 USD für Oxytocin und Glukose sowie 35.800 USD für Zinsen für Auslandsschulden für den Import von Ersatzprodukten. Insgesamt betrugen die konservativen Schätzungen der öffentlichen Ausgaben, die durch suboptimale Säuglingsernährung bedingt waren, mehr als 800.000 USD jährlich.
Die Kosten der unzureichenden Stillpraktiken wurden aus Schätzungen der „übermäßigen Morbidität und Mortalität“ abgeleitet. Unter Verwendung der relativen Risiken für Durchfall und akute Atemwegsinfektionen, die mit dem Stillen bzw. der Flaschenernährung einhergehen, berechneten die Autoren für diese beiden Krankheiten 7.012 überzählige Todesfälle aufgrund von unzureichenden Stillpraktiken.

Die Berechnung der übermäßigen Morbidität durch Durchfälle und akute Atemwegsinfektionen beruhte auf landesweiten Daten zur Prävalenz dieser Krankheiten und den relativen Erkrankungsrisiken. Die mit dieser übermäßigen Morbidität verbundenen Behandlungskosten wurden aus Daten auf Landesebene geschätzt, die zeigen, dass bei Durchfallerkrankungen in 25 % der Fälle und bei Atemwegserkrankungen in 50 % aller Fälle eine medizinische Behandlung in Anspruch genommen wird, sowie aus den Behandlungskosten für die beiden Krankheiten. Diese Berechnungen zeigen, dass die Gesamtkosten für die Behandlung überzähliger Fälle von Durchfall und akuten Atemwegsinfektionen 4.733.750 USD betrugen. Davon ausgehend, dass 20 % dieser Kosten vom öffentlichen Sektor getragen wurden, berechnen die Autoren für diesen Bereich Kosten von 946.750 USD, was 3,7 % des Landesbudgets für Mutter-und-Kind-Gesundheitsversorgung beträgt.

Die Kosten für die Flaschenernährung von Säuglingen in Einrichtungen wurden auf 58.660 USD geschätzt, worin 17.700 USD für Säuglingsnahrung für Neugeborene und 40.960 USD für Säuglingsnahrung für stationär behandelte Säuglinge enthalten waren. Die Kosten für orale Glukosetoleranztests und für Methergin, die bei Neugeborenen, die unmittelbar nach der Geburt gestillt werden, unter Umständen nicht anfallen, wurden auf 541.420 USD geschätzt. Die Zinsen für die Schuldabtragung von ausländischen Schulden für den Ankauf von Säuglingsnahrung, der von der Schweizer Regierung subventioniert wurde, betrugen 35.777 USD. Der Geldwert von Todesfällen, die sich durch optimale Säuglingsernährungspraktiken vermeiden lassen, sowie von Geburten, die durch das stillbedingte Ausbleiben der Monatsblutung unterbleiben, wurde nicht quantifiziert.

 

Wirtschaftlicher Nutzen des Stillens in Indien


Daga SR, Daga AS. Impact of breast milk on the cost-effectiveness of the special care unit for the newborn. J Trop Pediatr 1985;31:121-3.

[Auswirkung von Muttermilch auf die Kosteneffektivität der Spezialpflegestation für Neugeborene]

Land: Indien

Dieser Artikel evaluiert die Kosteneffektivität einer Spezialpflegestation für Neugeborene mit geringem Geburtsgewicht für zwei Zeiträume von jeweils einem Jahr: In einem dieser Zeiträume wurden die Neugeborenen zwischen 8 und 20 Uhr gestillt und nachts mit künstlicher Säuglingsnahrung gefüttert, und in dem anderen wurden über 95 % der Säuglinge vollgestillt, während die verbleibenden 5 % zu den meisten Mahlzeiten Muttermilch erhielten. Es wurde ausschließlich die Mortalität 3 Tage nach der Geburt betrachtet. Es wurde eine Kostensenkung im Bereich des Einkaufs von Säuglingsnahrung und Medikamenten von 0,75 auf 0,40 USD pro Bett und Tag festgestellt. Die durchschnittliche Dauer der stationären Behandlung sank von 11,4 Tagen auf 9,06 Tagen. Die Gesamtmortalität fiel von 38 % auf 16 %, wie auch die Mortalitätsrate nach Geburtsgewichtkategorien. Die Autoren vertreten die Ansicht, dass diese Verbesserungen auf die Ausweitung des Stillens zurückzuführen sind, da keine neuen diagnostischen oder therapeutischen Geräte angeschafft wurden und die Zeiträume zu kurz gewesen seien, als dass sich die größere Erfahrung des Personals in einer geringeren Mortalität habe niederschlagen können.

 

Wirtschaftlicher Nutzen des Stillens in Indonesien


Rohde JE. Mother milk and the Indonesian economy: A major national resource. J Trop Pediatr 1982;28:166-74.
Rohde JE. Mother milk and the Indonesian economy: A major national resource. Indian J Pediatr 1981;48:125-32.

[Muttermilch und die indonesische Wirtschaft: eine wichtige nationale Ressource]

Land: Indonesien

Diese beiden Artikel schätzen den wirtschaftlichen Wert von Muttermilch für die indonesische Wirtschaft und kommen zu dem Schluss, dass das Stillen derzeit jährlich 520 Millionen USD zur Wirtschaft beiträgt, was 10 % des Wertes sämtlicher Exporte, 2,5 % des jährlichen Landeshaushalts und etwa 1,5 % des Bruttosozialprodukts entspricht. Zu dieser Schätzung gelangt der Autor über Schätzung der folgenden Zahlen: Volumen der jährlich von stillenden Müttern produzierten Muttermilch; Kosten für den Einkauf der zusätzlichen Nährstoffe (Kalorien und Eiweiß), um diese Muttermilch produzieren zu können; Kosten für den Einkauf eines entsprechenden Volumens künstlicher Säuglingsnahrung; Kosten für die reduzierte medizinische Behandlung durch jährlich vermiedene Fälle von Durchfall sowie die Kosten für die zusätzlichen Familienplanungsleistungen, die jährlich erforderlich sind, um den Empfängnisschutz durch die ausbleibende Monatsblutung während des Stillens zu ersetzen, wie er bei derzeitigen Stillpraktiken gegeben ist.

Das Volumen der jährlich produzierten Muttermilch wird durch Multiplikation des durchschnittlichen täglichen Milchvolumens mit der Dauer des Stillens bei Frauen in der städtischen und ländlichen Bevölkerung geschätzt. Dieses Milchvolumen wird mit den Kosten für den Ankauf von künstlicher Säuglingsnahrung verglichen, die etwa 500 Millionen USD betragen würden. Um den Nettowert der Muttermilch zu berechnen, werden davon die Kosten für die zur Produktion der Muttermilch erforderlichen Kalorien und Eiweißmenge abgezogen. Unter Annahme einer Umwandlungseffizienz von 90 % für die Kalorien und 55 % für das Eiweiß und von Reis und Tempeh (fermentierte Sojabohnen) als Nahrungsmittel, berechnet der Autor, dass es etwa 100 Millionen USD jährlich kostet, diese Muttermilchmenge zu produzieren. Der Nettowert der jährlich produzierten Muttermilch betrug also rechnerische 400 Millionen USD. Die Kosten für Flaschen, Sauger, Brennstoffe, verdorbene Säuglingsnahrung und Kühlung werden bei dieser Berechnung nicht berücksichtigt, genausowenig wie die alternativen Kosten für Stillen und Flaschenernährung, die nach Ansicht des Autors ähnlich wären.

Der Autor schätzt die Kosten für den geringeren medizinischen Behandlungsbedarf für Durchfälle anhand der Annahme, dass sich die Fallzahlen verdoppeln würden, wenn die Stillprävalenz um 25 % zurückginge. Derzeit sind Durchfallerkrankungen für ein Drittel der stationären Behandlungen von Kindern verantwortlich. Unter Berücksichtigung der Behandlungskosten für Durchfall schätzt der Autor, dass durch die derzeitigen Stillpraktiken jährlich 40 Millionen USD gespart werden, wobei dies als vorsichtige Schätzung gilt.

Die Kosten für die zusätzlichen Familienplanungsdienste pro Jahr, die gebraucht würden, um die empfängnisverhütende Wirkung der derzeitigen Stillpraktiken zu ersetzen, wird in Abhängigkeit von der mittleren Dauer der Still-Amenorrhoe bei Frauen der Stadt- und Landbevölkerung sowie der Anzahl der jeweils stillenden Frauen berechnet. Es ergibt sich eine Schätzung der geschützten Jahre pro Paar, die sich auf 4,5 Millionen Paar-Jahre der Empfängnisverhütung jährlich beläuft. Auf Grundlage der Kosten für ein Jahr Empfängnisverhütung werden jährliche Einsparungen von 80 Millionen USD geschätzt.

Quellen

Pan American Health Organization (PAHO)

Economic Benefits of Breastfeeding 
http://www.paho.org/english/ad/fch/BOB6.pdf

Übersetzung: Dr. Ulrike Walter-Lipow


aus: Stillzeit. Die Fachzeitschrift der AFS. 4/2005, S. 14-18

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