Förderung der Stillkultur

„Gesund ernährt von Anfang an.“ Heutzutage ist klar, dass dieser Anspruch ganz eindeutig durch das Stillen erfüllt wird. Stillen ist die natürliche Ernährung des Säuglings und ermöglicht dem Säugling den besten Start ins Leben. Dass aber Stillen und Muttermilch diese Rolle spielen, war in den vergangenen Jahrzehnten nicht immer so klar.

Noch in den achtziger Jahren wurde Flaschennahrung mit Muttermilch gleichgestellt, und manche haben diese Nahrung sogar der Muttermilch vorgezogen. In dieser Zeit ist uns etwas ganz Wichtiges abhanden gekommen, was uns bis jetzt leider fehlt: eine Stillkultur. Und es ist eben diese Stillkultur, die die AFS, die Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen, zu fördern versucht. Hier sehen wir unsere Hauptaufgabe. Hier aber möchten wir auch mit vielen anderen gesellschaftlichen Gruppierungen zusammen arbeiten.

Stillkultur: Was ist damit gemeint?

Wenn wir von den Franzosen behaupten, sie hätten eine Esskultur, dann heißt das: Schon seit langem weiß man in Frankreich, wie man gut kocht, wie man das Essen zu genießen hat. Man schätzt den Wert des Essens nicht nur wegen der Befriedigung des elementaren Bedürfnisses „Hunger“, sondern vielmehr wegen des ganzen Ambientes drumherum: Ruhe, Gemütlichkeit, Gespräche, Zusammensein. Und das in allen Schichten der Bevölkerung.

In diesem Sinne habe ich auch den Begriff „Stillkultur“ aufgefasst. Die Gesellschaft sollte sich auf die naturgegebene Selbstverständlichkeit, dass Säuglinge mit der Milch ihrer Mutter ernährt werden, rückbesinnen. Es sollte wieder verbreitetes Wissen sein, dass jede andere Ernährungsweise beim jungen Säugling ein unnatürlicher Eingriff ist, der der körperlichen und seelischen Gesundheit von Mutter und Kind abträglich und nur in besonderen Einzelfällen angezeigt ist.

Herrscht in Deutschland eine Stillkultur?

Die Antwort ist ein eindeutiges „Nein“. Wir alle kennen die geschichtliche Entwicklung, hier wie in fast allen Ländern der Welt. Zunächst gab es eine „Stillkultur“. Stillen war selbstverständlich. Wissen wurde von Generation zu Generation weitergegeben. Manchmal gab es vielleicht uns merkwürdig vorkommende Stillpraktiken, manches war anders, als man es heutzutage handhaben würde, aber ohne Stillen gab es kein Überleben des Kindes, und bis auf einigen Ausnahmen (indem eine Amme eingesetzt wurde), stillte jede Frau ihr eigenes Kind.

Die Wende kam, als nach dem zweiten Weltkrieg Flaschennahrung als Alternative, sogar als bessere Alternative gegenüber dem Stillen angepriesen wurde. Bis in die siebziger Jahre war dann das Stillen in der westlichen Welt kein Thema: Kaum eine Mutter stillte länger als ein paar Wochen. Die Flaschennahrung wurde vom Gesundheitspersonal unterstützt und gefördert, die Praktiken der damaligen Zeit (Mutter-Kind-Trennung, 4 Stunden-Rhythmus, kein nächtliches Stillen) erschwerten das Stillen zusätzlich.

In den siebziger Jahren befassten sich aber Selbsthilfegruppen (allen voran die Skandinavier) mit dem Thema, vermittelten wieder das Grundwissen um das Stillen, der Trend „Zurück zur Natur“ trug das Seine dazu bei, und erfreulicherweise stillen seitdem wieder immer mehr Mütter. Allerdings scheint jetzt ein gewisser Stillstand einzutreten, sogar eine leichte Abnahme der Stillraten wird in verschiedenen Ländern beobachtet. So einfach ist es offensichtlich doch nicht, das verloren Gegangene wieder zurückzuholen. Daher komme ich zu dem Ergebnis, dass von einer Stillkultur hier in Deutschland wirklich nicht gesprochen werden kann, sondern dass vielmehr nach wie vor die Flaschenkultur in den Köpfen der Mütter und in der Gesellschaft bei weitem dominiert.

Was der Stillkultur entgegensteht

1. Stillunerfahrenheit und mangelnde Vorbilder

Die heutige Generation Frauen ist in einer Umgebung aufgewachsen, in der nicht gestillt wurde. Die werdende Mutter hat höchstwahrscheinlich nur wenige Geschwister, und wenn, dann hat ihre eigene Mutter diese Geschwister wahrscheinlich nicht oder nur kurz gestillt. Auch Tanten, andere Verwandte oder Freundinnen haben nicht gestillt. Damit konnte ein Vorbild/ Rollenmodell nicht verinnerlicht werden.

Eher das Gegenteil wird vermittelt: Wenn die Großmutter unter den Druck des früheren Gesundheitssystems rund um das Stillen schlechte Erfahrungen gemacht hat (wunde Brustwarzen, Brustentzündungen, zu wenig Milch), wird sie eventuell diese Ängste unbewusst oder auch direkt weitergeben.

2. Die schwierige Kombination Beruf - Stillen

Viele Frauen müssen oder möchten nach der Zeit des Mutterschutzes bald wieder arbeiten und fangen daher mit dem Stillen gar nicht erst an, beziehungsweise sie fangen halbherzig an und geben bei der ersten auftauchenden Schwierigkeit auf, da sie glauben,  so oder so schon bald wieder aufhören zu müssen. Dieser Trend wurde in letzter Zeit verstärkt, da immer mehr Mütter ermutigt werden, schon relativ schnell nach der Geburt ins Berufsleben zurückzukehren.

3. Wunsch nach Unabhängigkeit und Freiheit

Manche Frauen sagen schon in der Schwangerschaft, dass sie auch nach der Geburt ihre Freiheit nicht abgeben wollen - und somit entscheiden sie sich gegen das Stillen. Dabei realisieren die wenigsten, dass mit einem Kind das Leben mit oder ohne Flasche umgestellt werden muss, da ein Kind immer in Abhängigkeit von den Eltern lebt. Es ist ein großer Irrtum, wenn die Mutter glaubt, sich durch Flaschenernährung des Kindes ein Stück Freiheit zurück zu kaufen.

Das Gegenteil ist der Fall: Sie ist plötzlich abhängig von sterilen Flaschen, Saugern, Wasser und Strom zum Aufwärmen. Die Freiheit kann sie sich daher nur dann wirklich erkaufen, wenn sie die Betreuung des Kindes in andere Hände abgibt. Durch Stillen ist eine Mutter von diesen äußeren Faktoren unabhängig, und sie kommt außerdem dem lebenswichtigen Bedürfnis des Kindes nach, nur von wenigen Bezugspersonen betreut zu werden.

Solange Mutter und Kind zusammen sind, hilft das Stillen sogar, ein Stück persönliche Freiheit zurück zu gewinnen, da die Milch in jeder Situation sofort verfügbar ist. Es ist aber ein Zeichen einer mangelnden Stillkultur, dass diese selbstverständliche Mutter-Kind-Einheit nicht mehr als selbstverständlich wahrgenommen wird, sondern zunehmend als Belastung.

4. Negatives Selbstbild, wenig Körpergefühl, fehlende Selbstakzeptanz und mangelndes Selbstvertrauen

Wo die Mutter zu hohe Ansprüche an sich selbst stellt, wo sie sich unter Leistungsdruck stellt, wo nur die in Millilitern gemessene Menge an Muttermilch über ein erfolgreiches Stillen entscheidet, kann eine normale Stillbeziehung nicht wachsen.

5. Fehlinformationen der Mütter

So meinen sehr viele Mütter noch immer, dass sie nicht stillen können, weil sie krank sind, weil sie rauchen (s. a. Artikel Rauchen und Stillen), weil sie Medikamente nehmen (s. Fachfragen), weil sie einen zu großen/zu kleinen „Busen“ haben, weil dadurch die Brustform verdorben wird, weil sie zu wenig Milch haben, und, und, und...

6. Mangelnde Unterstützung durch das Gesundheitspersonal

Viele Ärzte, Hebammen und (Kinder)Krankenschwestern sind nicht ausreichend in Theorie und Praxis des Stillens geschult, und können daher den Müttern bei Problemen nicht die notwendige Unterstützung geben. Auch wenn die Schulungen in Krankenhäusern und durch Kongresse erfreulicherweise erheblich zugenommen haben: Noch immer gibt es zu viele Situationen, in denen einer Mutter fälschlicher Weise geraten wird abzustillen, z.B. nach Brustentzündung, bei Einnahme von Medikamenten, oder auch nur, „damit das Baby endlich durchschläft“.

7.  „Medizinische“ Vorschriften rund ums Stillen

Wenn die Frauen bereits im Vorfeld mit vielen Verhaltensmaßregeln regelrecht „zugeschüttet“ werden, dann wird der Eindruck erweckt, dass Stillen eine ungeheuer komplizierte Sache sei, so dass die Mütter es lieber sein lassen, aus Angst, sie könnten etwas falsch machen. Da klingt Flaschennahrung zunächst viel einfacher (ist es natürlich nicht).

8. Die Werbung für die Flaschennahrung

Die heutige Generation Frauen ist aufgewachsen mit dieser Werbung: Strahlende propere Flaschen-Babys auf dem Schoß von bildhübschen, glücklichen, sorglosen (?) Müttern, so suggerierten es die großformatigen, gestellten Fotos. Dass es selbstverständlich auch dort Chaos, Gebrüll und verzweifelte, überforderte Mütter gibt, wird verschwiegen und verdrängt.

Die hervorragende Werbung für Flaschennahrung hat es inzwischen nicht nur geschafft, ein zweitklassiges Produkt hervorragend zu vermarkten, sie hat, mit teilweise fatalen Folgen, tief in das gesellschaftliche Bewusstsein gesenkt, dass Säuglinge mit Pulvermilch und Flasche zu ernähren sind. Das Symbol für einen Wickelraum ist oftmals die Flasche, und auch Puppenecken in Kindergärten werden mit Flaschen ausgestattet.

Rolle der Stillgruppen

Mit dieser Skizze versuche ich Hemmschwellen aufzuzeigen, die einer Stillkultur in Deutschland entgegenstehen. Wir sehen: Es sind viele und sie sind teilweise bereits sehr tief verwurzelt. Das zu ändern (wie alle Verhaltensweisen) ist schwierig. Trotzdem wollen wir es versuchen. Und ich denke, dass die Stillgruppen dabei eine Schlüsselfunktion übernehmen können. Wissen zu vermitteln und dadurch Verhaltensmuster zu ändern, und zwar nicht von oben herab, sondern sozusagen von nebenan, von Mutter zu Mutter, das ist die Stärke der Stillgruppen.

Wir besitzen bereits ein immer dichter werdendes Netz von engagierten und erfahrenen Stillberaterinnen, die ihr Wissen sowohl im Gruppen-, als auch im Einzelgespräch weitergeben. Es ist beeindruckend zu sehen, was sie in den letzten Jahren bereits zu leisten vermochten und trotzdem: Es ist noch nicht genug. Die Frage lautet: Welchen Beitrag können Stillgruppen leisten zu einem Aufbau der Stillkultur, an ihrem jeweiligen Ort und damit in ganz Deutschland? Und auch: Wie kann man Stillgruppen unterstützen, damit sie ihre Aufgabe erfüllen können?

1. Persönliche Gespräche

Das Herzstück sind meines Erachtens die persönlichen Gespräche von Mutter zu Mutter, sei es in den Stillgruppentreffen, sei es bei der telefonischen Beratung. Hier findet der wichtige Informationsaustausch statt, der früher von Mutter zu Tochter stattgefunden hat, und der jetzt nicht mehr stattfinden kann, sei es, weil die Mutter keine Stillerfahrung gemacht hat, sei es, weil sie zu weit weg wohnt oder weil sie von der Tochter als Rollenmodell nicht akzeptiert wird.

Mutter zu werden, ist eine der einschneidendsten Erfahrungen im Leben einer Frau. Positive aber auch negative Gefühle wechseln einander ab. Probleme tauchen auf, die zwar oft mit dem Stillen verbunden werden, die im Grunde jedoch durch das „Mutter werden“ verursacht werden. Hier kann die erfahrene Stillberaterin eigene Erfahrung weitergeben und Mut machen. Dabei unterstützt und festigt sie das Selbstbewusstsein der Mutter. Sie kann erklären, dass die wechselnden Gefühle nach der Geburt durchaus normal sind. Sie kann vor zu hohen Ansprüchen der Mutter an sich selbst warnen, kann die Mutter vor sich selbst in Schutz nehmen und bestätigen, dass die erste Zeit eine Zeit der Gewöhnung ist, in der nirgendwo alles reibungslos abläuft.

Schon diese Erkenntnis und Bestätigung überwindet manche (Still-)Schwierigkeit. Aus der Forschung ist bekannt, dass Frauen, die von einem Netzwerk an sozial unterstützenden Betreuungspersonen umgeben sind, die dem Stillen positiv gegenüber stehen, weniger Schwierigkeiten erfahren und länger stillen.

Natürlich bringt die Stillberaterin dabei die Kompetenz zur Lösung praktischer Probleme mit. Aber der Austausch muss immer auf der Ebene „Mutter-Mutter“ ablaufen. Wo die Gesundheitsdienste eine professionelle Unterstützung der Mütter bieten können, und ganz klar machen können, dass Stillen die natürliche Ernährung ist, vor allem in so genannten „pathologischen Stillsituationen“, oder auch Risikogruppen gegenüber, kann eine Stillberaterin mit einfachen Tipps (die unsere Großmütter zum Teil auch weitergegeben haben), die Mutter unterstützen, wobei immer die Grenzen der Stillberatung im Auge behalten werden müssen.

Die Verantwortung der Entscheidung bleibt immer der Mutter überlassen, ja es ist gerade die Aufgabe der Stillberaterin, nachdem sie Information weitergegeben hat, die Entscheidung der Mutter zu akzeptieren und sie darin zu bestärken (Stärkung des Selbstwertgefühls). Der Schlüsselbegriff für eine Stillberaterin ist die Unterstützung, wobei medizinische  Berufsgruppen mehr auf Behandlung zielen.

2. Beispiel geben

Nicht zu unterschätzen ist aber auch das positive Beispiel, das die Stillberaterin vorlebt. Sie stillt selbst oder hat gestillt, und das wirkt sich auf ihre Umgebung aus. Werdende Mütter achten darauf, wie sie mit dem Stillen und mit ihrer Mutterrolle fertig wird. Gerade weil die Stillberaterin aus eigener Erfahrung sprechen kann, nehmen Mütter die Information besser an.

Indem sie ihr Baby nicht nur im stillen Kämmerlein stillt, vermittelt sie ganz ungezwungen sowohl neugierig zuschauenden Kindern als auch vielleicht misstrauisch beobachtenden Erwachsenen, wie schnell und unkompliziert sich ein brüllender Schreihals in ein überaus zufriedenes Stillbaby verwandeln lässt. Dadurch gewinnt Stillen wieder ein Stück Alltäglichkeit.

Es lässt sich beobachten, dass besonders Frauen aus höheren sozialen Schichten den Weg zurück zum Stillen schneller finden, da sie sich zum einen schneller Information holen, zum anderen auch Althergebrachtes kritischer untersuchen und sich evtl. davon lösen. Die Stillgruppen, auch die AFS, suchen nach Wegen, auch andere gesellschaftliche Schichten dem Stillen nahe zu bringen. Dabei sind wir auf die Zusammenarbeit mit anderen Gruppierungen wie Hebammen, Gesundheitsämter usw. angewiesen.

3. Gesundheitserziehung für Familien

Hier wird momentan vor allem auf Schwangere gezielt. Dabei denke ich, dass dabei die Väter viel direkter angesprochen werden sollten, damit von vornherein klar ist, dass sie beim Stillen nicht außen vor sind, sondern - im Gegenteil - die wichtige äußere beschützende Hülle um die kleine Mutter-Kind-Einheit herum bilden.

Die Erfahrung zeigt, dass sie manchmal ganz anders als Mütter fragen. Sie sind oft eher vom Stillen zu überzeugen, wenn ihnen die wissenschaftlich erwiesene Bedeutung der Muttermilchernährung vor Augen geführt wird. Und wenn Väter von den Gründen für das Stillen überzeugt sind, unterstützen sie die Mütter, auch (oder gerade) wenn Schwierigkeiten auftauchen. Diese Unterstützung ist für die stillende Mutter eine sehr große Motivation, weiter zu machen.

4. Ausbildung

In Schulen oder Volkshochschulen können Stillberaterinnen Kurse geben, die auf ein allgemeines Publikum zielen. Im Schulfach „Gesundheitserziehung“ könnte dieses Thema hervorragend angesprochen werden, indem allgemeine Informationen weitergegeben werden - sowohl an Jungen als auch an Mädchen. So könnten schon im Vorfeld, noch lange bevor eine Elternschaft in Sicht ist, Vorurteile abgebaut werden wie z.B.: „Stillen ist dreckig“, „Die meisten Frauen haben zu wenig Milch“, „Stillen tut weh“. Viele Stillgruppenleiterinnen sind bereit, in Schulen mitzuarbeiten.

5. Politische Rahmenbedingungen

Die AFS ist Mitglied bei IBFAN, dem Internationalen Netzwerk zur Säuglingsernährung, das für den Schutz des Stillens gegenüber den Verkaufs-Interessen der Säuglingsnahrungsindustrie eintritt.

Die AFS setzt sich für die Rechte von stillenden berufstätigen Müttern ein und hat dazu unter anderem das Infoblatt „Stillen und Erwerbstätigkeit“ herausgegeben.

Die AFS arbeitet auch beim Runden Tisch zur Stillförderung mit. Hier sieht sie eine Rolle in der politischen, partei-übergreifenden Arbeit, damit die Gesellschaft das Stillen schützt. Auch die Politik sollte ihren Beitrag dazu leisten, dass wieder eine Stillkultur entsteht.

Die AFS hat ca. 1.300 Mitglieder, ca. 400 Stillgruppen und mittlerweile mehr als 1.000 Stillberaterinnen ausgebildet. Auf diese Kompetenz in den vorhandenen Stillgruppen sollte in den Gesundheitsämtern verwiesen werden. Andrerseits wird manchmal in der Stillgruppe erst klar, dass eine komplexe Problematik in der Mutter-Kind-Interaktion vorhanden ist, oder dass die Mutter weitere Beratung braucht, die die Kompetenz der Stillgruppenleiterin übersteigt. Hier ist es sehr wichtig, dass die Stillgruppenleiterin über die Angebote der Gesundheitsdienste informiert ist.

Die Empfehlung der WHO lautet: „Jeder Säugling sollte sechs Monate ausschließlich gestillt werden, das heißt keine andere Nahrung oder Flüssigkeit außer Muttermilch, und danach, mit geeigneter Beikost, weiter gestillt werden bis zum Alter von zwei Jahren und darüber hinaus.“ Bei der Umsetzung dieser Empfehlung können Stillgruppen eine entscheidende Rolle spielen. Hier können Mütter in der Praxis sehen, wie eine Stillbeziehung aussehen kann und finden auf alltägliche (Still)Fragen Antwort.

Wenn wir das Stillen in Deutschland gezielt fördern wollen, sollten die Stillgruppen miteinbezogen werden. Natürlich müssen die Grenzen der Stillberatung beachtet werden, aber auf dem Gebiet der Unterstützung und Motivation der Mütter sind sie von unschätzbarem Wert, gerade weil die Stillgruppenleiterinnen selbst Mütter sind, sich in selbst durchlebte Situationen gut einfühlen können und eigene Stillerfahrung besitzen. Außerdem haben die Stillberaterinnen oft die Zeit für ein persönliches Gespräch, die im Alltag beim Gesundheitspersonal oft nicht vorhanden ist. Dies sind Pluspunkte, die medizinisches Fachpersonal meist nicht besitzt. Wenn diese Gruppen mehr miteinbezogen werden, bin ich überzeugt, dass schneller wieder eine Stillkultur in Deutschland entstehen kann, gerade weil sie sich von „innen heraus“ aufbaut.

Literatur

  1. Grossman LK, Harter C, Kay A: Postpartum lactation counseling for low-income women. Am. J. Dis Child 1987, 141(4) 375
  2. Kistin, N. et al.: Effect of peer counselors on breastfeeding initiation, exclusivity and duration among low-income urban women. J. of Hum. Lact. 1994, 10 (1) 11-15
  3. Leite, A. et al: Impact on breastfeeding practices promoted by lay counselors: a randomized and controlled clinical trial. J. of Clin. Epidem. 1998, 51(Suppl) 10S
  4. Lawrence, R. A., Lawrence, R. M.: Breastfeeding – A guide for the medical profession. Mosby 2005, 797
  5. Scherbaum,  V., Perl, F. M., Kretschmer, U.: Stillen – Frühkindliche Ernährung und reproduktive Gesundheit. Deutscher Ärzte Verlag 2003, 427
  6. Uvnas Moberg, K.: The Oxytocin Factor. Da Capo Press, 2003, 121

Elien Rouw
medizinischer Beirat AFS

aus: Stillzeit. Die Fachzeitschrift der AFS. Heft 3/2008

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