Gefahren der künstlichen Säuglingsernährung

Wissenschaftliche Ergebnisse zu Risiken und Kosten

zusammengestellt von Utta Reich-Schottky.
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Studien belegen die erhöhte Mortalität und Morbidität nicht gestillter Kinder auch in den Industrieländern. Das gilt bei Betrachtung aller Kinder. Im Einzelfall kann ein nicht gestilltes Kind gesund sein und ein gestilltes Kind erkranken. Jedoch ist die Wahrscheinlichkeit dafür, dass ein Kind erkrankt, bei nicht gestillten Kindern größer. Diese zusätzlich auftretenden Erkrankungen verursachen im Gesundheitswesen beträchtliche Mehrkosten durch zusätzliche Arztbesuche, Medikamente und Krankenhausaufenthalte. Die Mehrbelastung ist während der Säuglingszeit besonders hoch, dauert aber in den folgenden Jahrzehnten an. Für einige Erkrankungen liegen neben den Untersuchungen zur Risikoerhöhung durch Nichtstillen auch Kostenuntersuchungen vor. In diesem Faltblatt stellen wir Ihnen einige Beispiele vor. Nicht alles kann man berechnen. Die seelische Bedeutung des Stillens lässt sich kaum in Zahlen ausdrücken. Sie ist jedoch sehr groß und soll deshalb hiermit ausdrücklich erwähnt werden.

Infektionskrankheiten

Mittelohrentzündung kommt bei nicht gestillten Kindern doppelt so oft vor wie bei gestillten Kindern. (Duffy, L., et al: Exclusive Breastfeeding Protects Against Bacterial Colonization and Day Care Exposure to Otitis Media. Pediatrics 1997;100:e7) · Atemwegserkrankungen treten bei nicht gestillten Kindern um 25% häufiger auf und verlaufen deutlich schwerer. (Cushing, H.H., et al: Breastfeeding reduces the risk of respiratory illness in infants. Am J Epidemiol 1998;147:863870) · Magen-Darm-Erkrankungen treten bei nicht gestillten Kindern mehr als doppelt so oft auf als bei gestillten Kindern. (Dewey,K.M. et al: Differences in Morbidiy Between Breast-Fed and Formula-Fed Infants. J Pediatrics 1995; 126:696-702)

Übergewicht

Nicht gestillte Kinder sind mit 6 Jahren doppelt so oft übergewichtig und mehr als drei mal so oft fettleibig als Kinder, die länger als ein Jahr gestillt wurden. Kürzer gestillte Kinder liegen dazwischen. (von Kries R., et al. Breast feeding and obesity: cross sectional study. BMJ 1999;319:147-50.)

Allergien

Wird vor dem Ende des vierten Lebensmonats irgend eine andere Milchnahrung als Muttermilch gegeben, steigt das Erkrankungsrisiko der Kinder bis zum Alter von 6 Jahren für Asthma im engeren Sinne um 25%, für mehrfach auftretende asthmatische Symptome wie keuchende Atmung um 41%. (Oddy, W.H. et al.: Association between breast feeding and asthma in 6 year old children: findings of a prospective birth cohort study. BMJ 1999;319: 815-819)

Intelligenz

Nicht gestillte Kinder haben als junge Erwachsene gegenüber 7-9 Monate gestillten Kindern einen um 6 Punkte niedrigeren IQ. Bei kürzer gestillten Kindern liegt der IQ dazwischen. (Mortensen, E.L. et al: The Association Between Duration of Breastfeeding and Adult Intelligence. JAMA. 2002;287:2365-2371) Stillförderung ist Frühförderung auf breiter Basis.

Zahn- und Kieferfehlstellungen

Malokklusion entwickelt sich bei nichtgestillten Kindern etwa doppelt so oft wie bei Kindern, die ein Jahr und länger gestillt wurden. (Labbok MH, et al: Does breast-feeding protect against malocclusion? An analysis of the 1981 Child Health Supplement to the National Health Interview Survey. Am J Prev Med 1987;3:227-32)

Diabetes

Diabetes Mellitus tritt bei nicht gestillten Kindern um 33 % häufiger auf (Jones ME, et al.: Pre-natal and early life risk factors for childhood onset diabetes mellitus. A record linkage study. Int J Epidem 1998; 27:444-9)

Bakterien in künstlicher Säuglingsnahrung

Enterobacter sakazakii wird, neben Salmonellen und anderen Bakterien, oft in Säuglingsmilchpulver gefunden und kann zu Erkrankungen und Todesfällen führen, zum Beispiel: · Mai 2002: Tod eines gesunden Neugeborenen in Belgien. IBFAN Pressemitteilung vom 10.5.02 · November 2002: Rückruf kontaminierter Nahrung in den USA. http://www.wyeth.com/index.asp 11/01/2002

Kosten im Gesundheitswesen durch künstliche Säuglingsernährung

Mehrkosten $102.473 wegen Nekrotisierender Enterocolitis im Durchschnitt für jedes nicht gestillte kleine Frühgeborene (LBW) unter Berücksichtigung der zusätzlichen Todesfälle und $458 für jedes nicht gestillte Kind wegen Mittelohrentzündung und Magen-Darm-Erkrankungen. (Weimer, J.: The Economic Benefits of Breastfeeding: A Review and Analysis. ERS Food Assistance and Nutrition Research Report No. 13. USDA Economic Research Service, Washington, D.C. 2001) · Mehrkosten $331.475 für jedes nicht gestillte Kind im ersten Lebensjahr allein durch Atemwegsinfekte, Mittelohrentzündung und Magen-Darm-Erkrankungen. (Ball TM, et al: Health care costs of formula-feeding in the first year of life. Pediatrics 1999;103:870-876)

Risiko für die Mütter

Auch für die Gesundheit der Mütter ist die künstliche Säuglingsernährung ein Risiko. · Brustkrebs: eine Frau, die ihr Kind nicht stillt, hat im Vergleich zu einer Frau, die ihr Kind 2 Jahre und länger stillt, ein ca. 10% höheres Brustkrebsrisiko (Beral, V. et al Collaborative Group on Hormonal Factors in Breast Cancer: Breast cancer and breastfeeding: collaborative reanalysis of individual data from 47 epidemiological studies in 30 countries, including 50302 women with breast cancer and 96973 women without the disease. Lancet 2002;360:187-195.)

Bibliografie

Es gibt eine kommentierte Bibliografie, in der 188 Veröffentlichungen erfasst und mit ihren Ergebnissen kurz dargestellt sind, auch ein Teil der hier genannten. Sie steht im Internet unter www.linkagesproject.org und kann heruntergeladen werden. León-Cava, N.: Quantifying the benefits of breastfeeding: a summary of the evidence. Washington, D.C.: PAHO 2002 (Die Vorteile des Stillens quantifizieren: Eine Zusammenfassung der Aussagen).

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