3. Schritt 4: Hautkontakt

Nach spontaner Geburt

Beim Vorgehen nach den BFHI-Kriterien wird das Baby nach einer spontanen Geburt sofort der Mutter auf die Brust gelegt; manchmal nimmt die Mutter es auch selber auf. Das Neugeborene bleibt dann ungestört und ununterbrochen auf dem Bauch der Mutter, mindestens eine Stunde lang oder bis es das erste Mal an der Brust getrunken hat. Oft sucht es dabei selber die Brust und dockt selber an (4).

Mutter und Kind sollten in dieser Zeit auch verbal möglichst wenig gestört und Hilfe nur bei Bedarf angeboten werden.

In vielen Kliniken bleiben die Kinder inzwischen auch deutlich länger bei der Mutter, oft werden sie auch im Hautkontakt auf die Wochenstation verlegt.

Dieser frühe intensive Hautkontakt ist auch und gerade dann wichtig, wenn die Mutter sich schon vor der Geburt gegen das Stillen entschieden hat. Manche Kliniken bieten diesen Müttern an, dem Kind Kolostrum zu geben, als erste „Impfung“ und Mitgift, und viele Mütter nehmen das gerne an.

Nach Kaiserschnitt

Die BFHI-Kriterien fordern auch nach einer Kaiserschnittgeburt mindestens eine Stunde ununterbrochenen Hautkontakt, sobald der Zustand von Mutter und Kind dies zulässt. Da heute die meisten Kaiserschnitte mit Spinalanästhesie durchgeführt werden, ist dies grundsätzlich schon im OP möglich. Das Neugeborene kann kurz abgetrocknet und dann der Mutter nackt auf die nackte Brust gelegt werden. Manche Kliniken benutzen einen CTG-Schlauch zum Halten des Kindes. Vorgewärmte Tücher halten Mutter und Kind warm. Die Zugänge werden so gelegt, dass die Mutter die Arme frei hat, um das Kind anzufassen. Möglicherweise kann die OP-Beleuchtung teilweise gedämpft werden.

Auch beim Ausschleusen kann das Baby bei der Mutter bleiben und mit ihr zusammen, im Hautkontakt, in den Kreißsaal verlegt werden (1).

Die Umstellung auf diese Vorgehensweise stößt zunächst oft auf erhebliche Widerstände, bis erkennbar wird, dass es möglich ist und dass der Zustand sowohl der Mutter als auch des Babys sich im Hautkontakt in der Regel deutlich besser stabilisiert und beide deutlich zufriedener sind.

In den ersten Tagen und Wochen

Dass wiederholter Hautkontakt auch nach den ersten Stunden wichtig bleibt, wissen wir vom Känguruen bei den Frühgeborenen. Doch auch reif geborene Babys und ihre Eltern profitieren davon.

Eine amerikanische Arbeitsgruppe hat Müttern mit gleich am ersten Tag auftretenden Stillproblemen dabei geholfen, mehrere Male im direkten Hautkontakt anzulegen, mit einem nur mit einer Windel bekleideten Baby auf der nackten Haut der Mutter. Damit konnte der Stillerfolg nach einer und nach vier Wochen deutlich verbessert werden (3).

Babys im Hautkontakt auf der Brust der Mutter beginnen, selbst nach der Brust zu suchen und selbst anzudocken. Dieses Verhalten zeigen sie noch Wochen bis Monate nach der Geburt (5).

Eine kanadische Arbeitsgruppe hat Eltern reif geborener Kinder in zwei Gruppen eingeteilt und die einen aufgefordert, ihr Baby im ganzen ersten Lebensmonat immer wieder in Hautkontakt zu nehmen, während die Eltern in der Kontrollgruppe keine spezifischen Anweisungen bekamen. Die Kinder wurden nur mit Windel bekleidet aufrecht zwischen dir Brüste der Mutter gelegt, Bauch an Bauch. Ein darüber festgebundenes Tuch erlaubt der Mutter, mit dem Baby herumzulaufen. Die Eltern in der Versuchsgruppe hatten ihr Baby in der ersten Woche durchschnittlich gut 5 Stunden pro Woche im Hautkontakt und in den darauf folgenden drei Wochen rund 3 Stunden pro Woche; die Eltern in der Kontrollgruppe hatten ihr Baby kaum im Hautkontakt.

Die Ergebnisse waren deutlich sichtbar: Die Mütter in der Hautkontaktgruppe hatten nach der ersten Woche bessere Werte bei den Fragen zu postpartaler Depression; sie reagierten beim Füttern sensibler auf ihre Kinder und sie stillten erfolgreicher und und länger. Die Kinder in der Hautkontaktgruppe weinten weniger; sie waren häufiger im „ruhigen Wachzustand“ und konnten diesen auch länger aufrechterhalten; sie zeigten früher deutliche Reaktionen auf das mütterliche Verhalten. Auch manche Väter nahmen den Hautkontakt wahr und genossen diesen engen Kontakt zu ihren Kindern. In die ganze Wochenbettzeit kam mehr Ruhe und Gelassenheit (2).

Quellen

  1. Bernhardt A.: "Bonding beim Kaiserschnitt, praktische Aspekte." Kongressbericht 6. Dt. Still u. Laktationkongress, CD, Ausbildungszentrum f. Laktation u. Stillen 2007

  2. Bigelow A.: "Enhancing Baby’s First Relationship: Results from a Study on Mother-Infant Skin-to-Skin Contact." Canada 2010. Videos und Text siehe  http://www.mystfx.ca/InfantSkinToSkinContact/

  3. Chiu S, Cranston Anderson G, Burkhammer M.: "Skin-to-Skin Contact for Culturally Diverse Women Having Breastfeeding Difficulties During Early Postpartum." Breastfeeding Medicine 2008;3(4):231-237

  4. Righard L, Alade M.: "Effect of delivery room routines on success of first breast-feed." Lancet 1990;336:1105-1107, und DVD Geddes Production (2005) Bezug über AFS-Geschäftsstelle

  5. Smillie C.: "Baby-Led Breastfeeding." DVD, Geddes Production 2007/2010, Bezug über die AFS-Geschäftsstelle

Utta Reich-Schottky
Medizinischer Beirat AFS und Gutachterin BFHI

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aus: Stillzeit. Die Fachzeitschrift der AFS. Heft 3/2010, S. 9

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