4. Schritt 5: Entleeren der Brust von Hand

Schritt 5 enthält an Babyfreundliche Einrichtungen den Auftrag, jeder Mutter das Entleeren der Brust von Hand zu zeigen. Dagegen gibt es anfänglich oft Vorbehalte: Was das denn bringen solle, das sei schwierig und funktioniere doch gar nicht, das sei den Frauen nicht zuzumuten, und schließlich gebe es Pumpen...

Aber die Erfahrung zeigt: Mit einer wirksamen Technik geht es sehr gut, oft ist die Milchgewinnung von Hand dem Pumpen ebenbürtig bis überlegen - und manchmal (z.B. bei Frühgeborenen) ist die Kombination von Handentleeren und Pumpen das Optimale.

Der Sinn

Wenn in den ersten Tagen nach der Geburt eine zusätzliche Anregung der Milchbildung nötig ist, ist von Hand oft mehr Milch zu gewinnen als mit einer Pumpe, bei der sich obendrein die wenigen Milliliter Neugeborenenmilch in den Pumpenteilen verlieren und dem Kind nicht gegeben werden können. Später kann bei einem eventuellen Milchstau der gestaute Bereich gezielt entleert werden. Die Mutter kann sich in allen Lebenslagen selber helfen, auch wenn sie auf der Autobahn im Stau steht. Außerdem hat die Mutter mit dieser Technik eine zusätzliche Wahlmöglichkeit neben den Pumpen im Wortsinne „an der Hand“.

Die Technik

Hier ist zwischen der Vorbereitung, um den Milchfluss anzuregen, und dem eigentlichen Entleeren zu unterscheiden.

Zur Vorbereitung kann die Mutter die Brust mit warmen Tüchern anwärmen oder verschiedene Massagetechniken anwenden. Die Massage sollte die Mutter auf jeden Fall selbst durchführen!

Das Entscheidende ist der nächste Schritt, nämlich tatsächlich Milch aus der Brust heraus zu holen. Dafür gibt es verschiedene Techniken, und alles, was funktioniert und nicht weh tut, ist erlaubt. „Muttermilch von Hand gewinnen“ oder „Brust von Hand entleeren“ sind technikunabhängige Beschreibungen des Vorgangs. „Brust ausstreichen“ impliziert, dass mit der Hand über die Haut gestrichen wird, was für die meisten Frauen keine sehr wirksame Methode ist.

Eine einfache, wirksame, und auch bei telefonischer Beratung oft erfolgreich vermittelbare Methode ist folgende:

  • Den Daumen und die Finger 2-3 cm von der Brustwarze entfernt so auflegen, dass sie sich gegenüber liegen und die Brustwarze genau zwischen ihnen liegt. Die Finger in Richtung Brustkorb drücken, dabei nicht spreizen. Die Finger vom Brustkorb weg zusammenführen, dabei jedoch nicht auf der Haut verschieben. Den Druck lösen. Die ganze Bewegung rhythmisch wiederholen. Viele Frauen nehmen die gegenüberliegende Hand, also rechte Hand für linke Brust; bei sehr großen Brüsten ist es oft angenehmer, die Brust in beide Hände zu nehmen.
  • Loslassen und Daumen und Finger daneben neu aufsetzen, um die Brustwarze herum, bis alle Milchgänge erfasst sind.
  • Damit der untere Teil der Brust ausreichend geleert wird, kann es sinnvoll sein, diesen Teil mit der anderen Hand anzuheben oder sich vornüber zu beugen.
  • Zwischen den Brüsten sollte mehrfach gewechselt werden. Spätestens wenn der Milchfluss nachlässt, wird zur anderen Brust übergegangen.
  • Geübte Mütter können beide Brüste gleichzeitig entleeren.

Jede Mutter muss ausprobieren, wo sie welche Finger am besten aufsetzt und wie sie die Methode für sich umsetzt. Entscheidend ist, dass das Brustgewebe nicht verletzt wird. Deshalb müssen alle Bewegungen vorsichtig ausgeführt werden, ohne die Brust zu zerren, zu quetschen oder zu reiben. Aus: „Stillen und Stillprobleme“, erhältlich im AFS-Shop

Der Umgang mit Pumpen...

Entleeren der Brust von Hand und mit der Pumpe schließen sich, wie gesagt, gegenseitig nicht aus. Bei Bedarf sollten einer Mutter möglichst gute Pumpen zur Verfügung stehen, sie sollte die Kriterien für die Beurteilung einer Pumpe kennen, und sie sollte mehrere Pumpen ausprobieren können. In Bedarfsfällen ist eine gute Beratung der Mutter zu allen Möglichkeiten einschließlich der verschiedenen Milchpumpen unabdingbar.

...und mit Pumpenherstellern

Hersteller von Muttermilchpumpen verdienen nichts am Stillen, nur an der Muttermilchernährung. Dementsprechend werben sie dafür, dass Mütter nicht einfach nur stillen, sondern möglichst viel abpumpen und füttern. Beispiele für Pumpenwerbung: „für die aktive Mutter“; „alles, was Mütter zur Kombination von Stillen und Flaschennahrung brauchen“; die Pumpe helfe, „so einfach wie möglich zu stillen“.

Geschenke und Freundlichkeiten aller Art von Pumpenherstellern dienen dem zusätzlichen Verkauf von Pumpen, auf Kosten des Stillens. Wer diese Geschenke annimmt, gerät damit in einen Interessenkonflikt zwischen der Unterstützung des Stillens und den Verkaufsinteressen der Firma. Die Beratung der Mutter sollte unabhängig von Verkaufsinteressen erfolgen.

Muttermilchpumpen fallen nicht unter den Internationalen Kodex zur Vermarktung von Muttermilchersatzprodukten. Aber auch die Verkaufsförderung für Milchpumpen geht zulasten des eigentlichen Stillens. Sowohl IBFAN als auch WABA fordern deshalb ihre Mitglieder auf, auch von Milchpumpenherstellern keine Geschenke und kein Sponsoring anzunehmen (siehe dazu auch 8. Kodex: Vorreiter BFHI).

Die AFS unterstützt diese Haltung. Die AFS informiert firmenunabhängig über alle Möglichkeiten der Milchgewinnung und über die Kriterien für gute Pumpen. Die AFS nimmt keine Geschenke und kein Sponsoring von den diesbezüglichen Herstellern und Händlern an und macht keine Werbung für Milchpumpen.

Utta Reich-Schottky
medizinischer Beirat AFS und Gutachterin BFHI

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aus: Stillzeit. Die Fachzeitschrift der AFS. Heft 3/2010, S. 10

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