Borreliose und Stillen


Sommerzeit ist Zeckenzeit!

Nach einem Spaziergang im Grünen, vielleicht auch im Wald, fängt es plötzlich an am Oberschenkel zu jucken – bei näherem Hinschauen entdeckt man einen kleinen schwarzen Punkt: den Übeltäter – eine Zecke! So oder ähnlich haben es die meisten von uns sicherlich schon erlebt. Sommerzeit ist Zeckenzeit!
 
Ein solcher Zeckenbiss kann ganz harmlos sein, kann aber auch Folgen haben. Eine dieser möglichen Folgen eines Zeckenstiches ist die Erkrankung an Borreliose oder genauer gesagt Lyme-Borreliose. Die Erreger dieser Erkrankung, die den gesamten Organismus betreffen kann, ist eine spezielle Bakterienart, Spirochäten – wie die Mikrobiologen sagen – oder auf Deutsch „Schraubenbakterien“, die im Darm mancher Zecken leben und beim Zeckenbiss übertragen werden können. Der Befall der Zecken mit diesen Keimen ist regional unterschiedlich.

Zur Vorbeugung eventueller Folgeerkrankungen eines Zeckenbisses ist es wichtig, den Zecken den „Zutritt“ zum Körper durch schützende Bekleidung (insbesondere lange Hosen, langärmelige Oberteile) zu erschweren um einen Biss dieser winzigen Spinnentiere möglichst zu verhindern. Kommt es dennoch zu einem Zeckenbiss, sollte das Tier möglichst schnell entfernt werden: Daher gilt: Nach einem Spaziergang, insbesondere durch Gebüsch und Gras, den Körper gut nach Zecken absuchen!

Zeckenbiss in der Stillzeit - was tun?

Was tun, wenn es nun trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zu einem Zeckenbiss in der Stillzeit kommt – der dann vielleicht auch eine Borreliose nach sich zieht?

Die Fragen, die sich dann stellen sind:

  • Kann mit einer Borrelioseinfektion gestillt werden?
  • Besteht für das Kind die Gefahr einer Infektion über die Muttermilch?
  • Kann eine Mutter während einer medikamentösen Behandlung weiter stillen?

Insgesamt gibt es zu diesem ganzen Themenkomplex sehr wenig Zahlen und Veröffentlichungen. In einer älteren Arbeit ([2] Schmidt et al. 1995, auch in Lawrence [1] zitiert) wurde Borrelien-DNA in der Milch von zwei stillenden Müttern mit Erythema migrans („Wanderröte“, ein Frühstadium der Borrelieninfektion) nachgewiesen. Eines von den beiden gestillten Kindern wurde für den Zeitraum von 1 Jahr nachbeobachtet. Es entwickelte keine auf Borreliose hin verdächtigen Krankheitserscheinungen. Ein Nachweis, ob es sich bei der in der Muttermilch entdeckten DNA um noch vermehrungsfähige Spirochäten oder um nichtinfektiöse Fragmente gehandelt hat, wurde nicht erbracht.

Hier noch einige Überlegungen:

Ist eine Zecke mit Spirochäten infiziert, so können diese über den Zeckenbiss bei der Mutter in ihre Blutbahn gelangen und von dort aus dann in andere Gewebe – und über das Blut eventuell (s. o.) in die Muttermilch. Ob sie allerdings dann auf oralem Weg, d. h. über den Verdauungstrakt beim Kind zu einer Erkrankung führen können, ist sehr fraglich, da es sich bei dieser Art der Aufnahme des Erregers nicht um den normalen Infektionsweg handelt. Auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch kommt nicht vor!

Was man allerdings sagen kann, ist Folgendes: Wird die Mutter auf Grund dieses Zeckenbisses in der Stillzeit krank, so ist das Kind bis zum Auftreten der Erkrankungszeichen bei der Mutter die ganze Zeit über schon der eventuell mit Spirochäten belasteten Muttermilch ausgesetzt gewesen und ist entweder gesund, weil es auf diesem Weg nicht infiziert werden kann, und bleibt wahrscheinlich auch gesund oder es ist ebenfalls krank.

Die Erkrankung der Mutter lässt sich über Blutuntersuchungen feststellen, die sie bei dem bloßen Verdacht auch möglichst schnell machen lassen sollte.

Ist sie erkrankt, muss sie antibiotisch behandelt werden. Sie muss aber weder auf Grund ihrer eigenen Erkrankung noch wegen der einzunehmenden Antibiotika abstillen oder eine Stillpause einlegen. Eine vorbeugende Behandlung des Kindes wird nicht empfohlen.

Literatur

  1. Lawrence [2011]: Breastfeeding, a guide for the medical profession, 7.Auflage, Mosby Verlag, ISBN 978-1437707885
  2. Schmidt BL, Aberer E, Stockenhuber C, et al.: Detection of Borrelia burgdorferi DNA by polymerase chain reaction in the urine and breast milk of patients with Lyme borreliosis. Diagnostic Microbiology and Infectious Disease 1995; 21(3): 121-8.
  3. Mylonas I. Borreliosis During Pregnancy: A Risk for the Unborn Child? Vector Borne Zoonotic Dis. 2010 Oct 6. [Epub ahead of print] PubMed PMID: 20925520.
  4. Borreliose: RKI-Ratgeber für Ärzte (Robert-Koch-Institut)

 

Carla Ehlers
Medizinischer Beirat AFS

 

aus: Stillzeit. Die Fachzeitschrift der AFS. Heft 3/2011, S. 13-14

Stillberatung

deutschlandkarte Schatten

Hotline

Bei Fragen und Problemen rund ums Stillen:

0228 / 92 95 9999*

*zum Ortstarif
mobil max. 0,42 € / Minute