Stillen bei Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)

von Christiane  Bergmann,

Überarbeitung & Anpassung C. Bruni  für den med. Beirat (2015)

Schilddrüsenfehlfunktionen müssen kein Grund zum Abstillen sein.

Stillen bei Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)

Die Krankheit

Unterfunktionsfehler der Schilddrüse werden in den meisten Fällen ererbt, aber sie können auch im Laufe des Lebens erworben werden. Der Mangel des Schilddrüsenhormons Thyroxin ist Schilddrüsenunterfunktion, ganz gleich aus welchem Grund der Mangel entsteht. Manchmal sind ein Kropf oder Hautveränderungen vorhanden, oft nur Müdigkeit, Regelstörungen oder ein geschwollenes  Gesicht. Thyroxin beeinflusst den gesamten Stoffwechsel, also auch Wachstum und Entwicklung.

Unterfunktion in der Schwangerschaft

Personen mit Schilddrüsenfunktionsstörungen müssen lebenslang überwacht werden (TSH -Thyroxin stimulierendes Hormon, T3 und T4). Dies gilt auch besonders für Schwangere (einmal pro Trimester) und nach der Geburt, weil die Mengen des Hormons schwanken. Thyroxin muss eingenommen werden, da es sonst zu starken Beeinträchtigungen des gesamten Stoffwechsels kommt. Die meisten Frauen mit Schilddrüsenstörungen haben unauffällige Schwangerschaften und gesunde Kinder!

Schilddrüsenerkrankungen sind in der Schwangerschaft nicht gewöhnlich, treten aber danach häufiger auf. Post partum Thyreoiditis  tritt definitionsgemäß innerhalb  der ersten 12 Monate nach Geburt auf. Diese Erkrankung kann spontan, meist nach Monaten, wieder besser werden.

Bei erkrankten, aber richtig eingestellten Schwangeren - nicht zu viel und nicht zu wenig Thyroxin - ist die normale Entwicklung des Kindes im Mutterleib gesichert. Auf keinen Fall darf das Medikament in der Schwangerschaft abgesetzt werden, weil das zu körperlichen und geistigen Schäden am Fetus führen kann, Kleinwuchs und geistige Behinderung.

Die Schilddrüse des Fetus beginnt erst mit der zwölften Schwangerschaftswoche ihr eigenes Thyroxin zu bilden.

Thyroxin ist in der Schwangerschaft nicht schädlich, sondern notwendig. Es geht nur in sehr kleinen Mengen von der Plazenta ins Kind über. Thyroxin sollte auf leeren Magen, zwei bis drei Stunden im Abstand von Nahrungsergänzungsstoffen wie Vitaminen und Eisen eingenommen werden, da diese die Aufnahme des Hormons stören können.

Die Jodprophylaxe für Schwangere ist wesentlich niedriger dosiert als die Jodeinnahme zur Behandlung oder Diagnose.

Nach einer Untersuchung oder Behandlung mit radioaktivem Jod sollte sechs Monate bis zu einer neuen Schwangerschaft gewartet werden.

Schilddrüsenunterfunktion des Kindes

Eins von 4.000 bis 5.000 Neugeborenen hat bei der Geburt schon eine eigene Schilddrüsenunterfunktion. Wird die Therapie in den ersten drei Monaten begonnen, entwickeln sich die Kinder normal. Der Test darf nicht vergessen werden. Er wird gewöhnlich beim Neugeborenenscreening gleichzeitig mit dem Stich in die Ferse für den Phenylketonurietest gemacht.

Es ist üblich, alle Neugeborenen auf Schilddrüsenfunktionsstörungen zu testen. Manchmal ist die Unterfunktion nur vorübergehend. Jod wird durch Plazenta und Brust übertragen. Vorübergehende Unterfunktion nach Jodmangel und nach Behandlung der Mutter gegen Überfunktion sind auch möglich.

Kinder, die bei leichtem Tyroxinmangel der Mutter geboren werden, gleichen diesen Mangel häufig in ein paar Wochen durch die eigene Schilddrüse aus; es sei denn sie haben selbst einen erblichen Mangel.  Die Schilddrüse kann sogar ganz fehlen. Dann muss das Kind selbst behandelt werden; das Thyroxin der Mutter oder ihrer Behandlung reichen nicht aus. Durch Stillen allein ist der komplette Funktionsausfall der Drüse nicht auszugleichen.

Das Wachstum der Säuglinge Schilddrüsenkranker Mütter muss besonders sorgfältig überwacht werden (unter Berücksichtigung der Größe der Eltern), besonders falls die Kinder selbst eine Funktionsstörung haben. Auch der Säugling sollte in Abständen getestet werden.

Schilddrüsenunterfunktion der Mutter und Stillen

Thyroxin gelangt auch in die Muttermilch, aber bei Dosierungen in physiologisch normalen Mengen ist es sehr sicher, ein Kind zu stillen. (Auch Flaschennahrung enthält niedrige Thyroxinmengen, so dass im Plasma von muttermilch- und flaschenmilchgefütterten Kindern gleiche Plasma-Schilddrüsenhormon-Mengen gefunden wurden. Vanwassenaer, A.G. et al., Clinical Endocrinology 5 Band 56 Seiten 621-627, 2002) Die meisten Frauen mit Schilddrüsenunterfunktion stillen.

Die richtige Medikamentenmenge für die Mutter ist dabei sehr wichtig. Bei zu niedriger Dosierung könnte zu wenig Milch vorhanden sein. Dies ist aber erst nach ein paar Tagen abschätzbar, weil in den ersten Tagen sowieso nur wenig Milch in besonderer Zusammensetzung (das Kolostrum) produziert wird. Steigt die Milchmenge der Mutter nach einigen Wochen nicht an, kann das an einer Unterfunktion ihrer Schilddrüse liegen.

Stillen ist mit der Einnahme von Thyroxin uneingeschränkt vereinbar! Es besteht auch keine zeitliche Begrenzung.

So lange erkrankte Mütter stillen, sollten die Hormonspiegel etwa alle drei Monate kontrolliert werden. Die richtige Einstellung durch Medikamente ist wichtig für die Milchbildung. Falls das Kind schlecht zunimmt, könnte das an einer falschen Dosierung liegen.

Eine Untersuchung oder Behandlung mit radioaktivem Jod verträgt sich nicht mit dem Stillen. Es gibt alternative Untersuchungsmöglichkeiten (Scannen mit Technetium).

Schilddrüsenunterfunktion durch Fehler in der Krankheitsabwehr (Hashimoto-Thyreoiditis)

Hashimoto-Thyreoiditis:

Die Krankheit wird in Zusammenhang mit hormonellen Veränderungen gebracht (Pubertät, Menopause). Jod, Ernährung und Stress spielen eine Rolle. Ein Leistungsknick in der Schule oder Schluckbeschwerden können Anzeichen sein. Jodgaben verschlimmern die Situation.

Die Antwort der Krankheitsabwehr des Körpers ist durch Erbanlagen bestimmt. Leider gibt es Fehler in unseren Genen, die bewirken, dass Teile der Abwehr unseren eigenen Körper angreifen. So kommt es auch in seltenen Fällen vor, dass Antikörper, Abwehrstoffe, gegen die Schilddrüse gebildet werden. Die Thyroxinmenge reicht dann nicht aus.

Zur Feststellung der Hashimoto-Thyreoiditis werden Thyreoglobulin- und Thyreoperoxidase-Antikörper bestimmt. Nicht alle Personen mit Antikörpern sind tatsächlich krank.

Hashimoto-Thyreoiditis in Schwangerschaft und Stillzeit:

Es  besteht ein reger Übergang von Antikörpern durch die Plazenta, weil der Fötus gegen Krankheiten geschützt werden muss. Bildet eine Mutter Antikörper gegen ihre eigene Schilddrüse, so können auch diese Antikörper schon in der Schwangerschaft auf das Kind übertragen werden.

Neugeborene von Müttern mit dieser Krankheit haben solche Antikörper. Diese haben gewöhnlich jedoch keinen Einfluss auf die Schilddrüse des Kindes.

Vorübergehend können  diese Säuglinge eine Unterfunktion haben. Die Antikörper der Mutter hemmen die Schilddrüsenfunktion des Kindes, werden jedoch in den ersten Wochen abgebaut, so dass sie verschwinden und sich die Schilddrüse des Kindes normalisiert.  Es ist  zu empfehlen die Thyroxinversorgung des Kindes in Abständen überprüfen zu lassen.

Auch die Schilddrüsenantikörper in der Muttermilch sollten keinen Schaden anrichten.

Kurznotiz: Schilddrüsenüberfunktion (M. Basedow)

Auch bei Schilddrüsenüberfunktion ist es möglich zu stillen, weil die Dosierungen der Medikamente so niedrig sind, dass keine Schilddrüsenunterfunktion beim Kind entstehen kann. Es sollte jedoch keine zusätzliche Thyroxinbehandlung erfolgen, um die Mittel gegen die Überfunktion in möglichst niedriger Dosierung zu geben.

Auch Thiamazol und Carbimazol können gegeben werden (Spielmann et al.: Arzneiverordnung in Schwangerschaft und Stillzeit, 7..Auflage 2006, Gustav Fischer Verlag)


Literaturhinweise:
Hesse, V.: Struma im Kindes- und Jugendalter, pädiat.prax.61, 95-105 (2002) Hans Marseille Verlag, München.
http://www.thyroid-info.com/articles/pregnancy.htm
http://www.thyroid-info.com/articles/breastfeeding.htm
P. Karlson: Kurzes Lehrbuch der Biochemie für Mediziner und Naturwissenschaftler (Georg Thieme Verlag, Stuttgart)
http://www.homeopathyclinic.com/articles/thyroid.pdf

Autorin: Christiane Bergmann

Überarbeitung: C. Bruni für den med. Beirat

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