Neuer Weltrekord im Simultanstillen

Die kalifornische Stadt Berkeley brach am 3. August 2002 den gerade 2 Tage zuvor in Adelaide, Australien aufgestellten Guinness-Weltrekord im Simultanstillen.

Die Australierinnen hatten am 1. August ihr eigenes Ergebnis im Massenstillen auf 767 erhöht, doch die Universitätsstadt nahe San Franciscos zog mit einem überwältigenden Resultat nach: 1135 Mütter stillten zum selben Zeitpunkt ihre Kinder. Die Ergebnisse des Rekordversuchs müssen noch von den englischen Guinness-Richtern anerkannt werden, damit die Mütter aus Berkeley auch offiziell in der Kategorie „Most Women Breast-feeding Simultaneously“ als derzeitige Guinness-Rekordhalterinnen aufgeführt werden.

Freiwillige Helfer der „Bay Area Lactation Association“ sowie zwei unabhängige Beobachter, darunter auch Shirley Dean, die Bürgermeisterin von Berkeley, halfen, die vielen Mütter beim Massenstillen zu zählen. Die Stadt Berkeley sponsorte die Veranstaltung im Rahmen ihres Mutter-Kind-Ernährungsprogrammes WIC (Women Infants Children), das sich für die gesunde Ernährung von Schwangeren, jungen Müttern und Kindern in Kalifornien einsetzt.

Besonders im Zusammenhang mit den jüngsten Studienergebnissen bezüglich der Senkung des Brustkrebsrisikos durch Stillen hoben die Organisatoren hervor, wie wichtig es ist, das öffentliche Bewusstsein auf das Stillen und die Förderung der Stillkultur zu lenken. Abgerundet wurde der Simultanstillen-Rekord durch eine Musikband, eine Stillmodenschau und ein Rahmenprogramm mit Info-Ständen von Stillorganisationen und weiteren Ausstellern und Sponsoren. Auch Aktivitäten für Kinder, wie z.B. eine Hüpfburg, wurden angeboten. Hersteller von Muttermilchersatznahrung waren ausdrücklich von der als „baby-friendly-event” ausgeschriebenen Veranstaltung, die anlässlich der Eröffnung der diesjährigen amerikanischen Weltstillwoche stattfand, ausgeschlossen.

Ellen Sirbu, einer der Organisatorinnen und Direktorin des örtlichen WIC-Programms, ist vom Resultat der Veranstaltung begeistert: „Es war mehr als ein Erfolg. Es war ein überwältigender Erfolg, die Frauen liebten es, die Live-Musik war grossartig, und alles lief reibungslos.”

Und auch die Teilnehmerinnen äusserten sich ähnlich enthusiastisch. Ulrike Walter-Lipow, in Berkeley lebende Deutsche und langzeitstillende Mutter eines zweijährigen Sohnes, war als eine der stillenden Rekordbrecherinnen dabei. „Ich hatte unterschätzt, was für ein irrer Anblick über tausend Babys mit Mamas auf einen Haufen sind. Und all die Kinderwagen und Buggys vor der Tür des Theatersaals der Schule, in dem der Still-Event stattfand... Bei der Anmeldung bekam jede Mutter eine Tüte mit verschiedenen Unterlagen der Sponsoren und einer Flasche Wasser. Die große Mehrzahl der Stillkinder waren noch Babys weit unter einem Jahr, doch es waren auch zahlreiche stillende Kleinkinder vertreten. Die Mütter waren ein bunt gemischtes Völkchen - von Ökolook bis Business Dress, von ganz jung (geschätzte 17/18) bis um die 40. Nach der Zählung bekamen die Rekordteilnehmerinnen noch schicke lila T-Shirts mit der Aufschrift „2002 World Record Breastfeeding” zur Erinnerung geschenkt. Trotz der vielen Kinder herrschte eine angenehme, lockere Atmosphäre, man kam leicht mit den anderen Stillmüttern ins Gespräch. Es war wirklich eine großartige Veranstaltung, ich würde jederzeit wieder mitmachen, und da ich in Kürze mein zweites Kind erwarte, beim nächsten Mal dann als Tandemstillmutter. Ich bin gespannt, ob wir den Weltrekord halten werden, da im Laufe der diesjährigen Weltstillwoche noch ein weiterer Rekordversuch in Orange County, Kalifornien veranstaltet wird.”

Das Ergebnis dieses weiteren Guinness-Massenstillens in Südkalifornien lag bei Redaktionsschluss noch nicht vor, doch wäre ein solches Simultanstillen nicht auch eine tolle Idee für den AFS-Stillkongress 2003? Das Interesse der Öffentlichkeit und auch der Medien wäre uns gewiss, wenn im nächsten Jahr die Kölner Domplatte bevölkert wäre von vielen, vielen stillenden Müttern.

 

Anne Faust

 

aus: Rundbrief. Die Fachzeitschrift der AFS. 4/2002, S. 4

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