Duft stillender Mütter erhöht sexuelles Verlangen

Stillende Mütter und Neugeborene verströmen einen Geruch, der zu einem stärkeren sexuellen Verlangen und mehr sexuellen Phantasien bei kinderlosen Frauen führt.

Wie das Wissenschaftsmagazin New Scientist am 24. April 2002 berichtet, kommt eine Studie, welche die Biopsychologin Julie Mennella vom Monell-Zentrum für chemische Sensorik in Philadelphia gemeinsam mit einem Forscherteam von der Universität Chicago durchgeführt hat, zu diesem Ergebnis.
Man ließ 26 stillende Mütter Einlagen in ihren BHs und in den Achselhöhlen tragen, so dass diese den Geruch der stillenden Mutter und wohl auch den des gestillten Babys aufnahmen. Eine andere Gruppe von 45 kinderlosen Frauen nahm die folgenden drei Monate an einem „Geruchstest” teil. Während des ersten Monats rochen alle Frauen viermal täglich an mit einer Phosphatpufferlösung getränkten Kontrolleinlagen. In den beiden folgenden Monaten bekamen einige nach dem Zufallsprinzip ausgesuchte Frauen aus der Gruppe weiterhin den neutral riechenden Kontrollduft zu schnüffeln, während die anderen an den Einlagen mit dem Stillgeruch schnupperten. Alle Frauen maßen täglich ihre Körpertemperatur, gaben eine Urinprobe ab und führten Buch über ihre sexuelle Aktivität.

Hinsichtlich der sexuellen Aktivität unterschieden sich die beiden Gruppen nicht – dies war mehr von der An- oder Abwesenheit eines Partners abhängig. Jedoch berichteten die Frauen, die an den Stilleinlagen gerochen hatten, über ein deutlich gesteigertes und länger andauerndes sexuelles Verlangen und mehr sexuelle Phantasien.

Julie Mennella schließt daraus, dass die chemischen Bestandteile des Stillgeruchs andere Frauen dazu anregen sollen, sich fortzupflanzen – vielleicht als Hinweis darauf, dass die Umgebung geeignet ist, Nachwuchs aufzuziehen.
In vielen Kulturen ist es üblich, dass sich frisch verheiratete Frauen viel bei jungen Müttern aufhalten, denn man glaubt, dass sie dadurch ihre eigenen Chancen auf Nachwuchs erhöhen können. „Vielleicht sind diese Kulturen tatsächlich auf einen realen Zusammenhang gestoßen”, sagte Mennella. Als nächstes möchte sie untersuchen, ob sich der Stillgeruch auf die Fruchtbarkeit auswirkt.

Anlass für die Studie war die Beobachtung, dass sich der Umgang mit Muttermilch (im Rahmen anderer Studien) auf die Menstruationszyklen der Labor-Mitarbeiterinnen auswirkte: Längere Zyklen wurden länger und kürzere noch kürzer.

Mennellas Studie untermauert die Annahme, dass es menschliche Pheromone gibt und dass diese noch immer einen subtilen Einfluss auf unser Verhalten ausüben.
Der Psychologe Richard Brown von der Dalhousie Universität in Halifax, Nova Scotia, gibt zwar zu bedenken, dass die Ergebnisse von Mennellas Studie bisher erst als vorläufige Aussagen anzusehen seien. Er weist jedoch darauf hin, dass stillende Frauen einen erhöhten Prostaglandinspiegel haben. „Vielleicht wirkt das Prostaglandin als männliches Geschlechtshormon”, spekuliert er. „Vielleicht geben stillende Mütter einen Duft ab, wie ihn sonst Männer verströmen.”

Julie Mennella leitet ein Forschungsprogramm, das sich mit der Rolle der chemischen Sensorik bei der Interaktion zwischen Mutter und Kind und zwischen Müttern untereinander sowie mit der Entwicklung von Geschmacks- und Geruchsvorlieben beim Menschen beschäftigt.
Momentan untersucht sie vor allem:

  • inwieweit sich die Ernährung der Mutter auf das Aromaprofil von Fruchtwasser und Muttermilch auswirkt und wie diese Erfahrungen die späteren Geschmackspräferenzen des Kindes beeinflussen,
  • wie sich verschiedene Arten von Muttermilchersatznahrung auf die geschmacklichen Präferenzen in der Kindheit auswirken,
  • wie die Akzeptanz von Nahrungsmitteln ab dem Beikostalter gesteigert werden kann,
  • den Einfluss der vom Stillen ausgehenden chemischen Signale auf die Menstruation,
  • die Auswirkung mütterlichen Alkoholgenusses und Rauchens auf das Stillen und den Schlaf der Babys.


Quelle und weiterführende Links:
http://www.newscientist.com/news/news.jsp?id=ns99992205

 

Cordula Kolarik

 

aus: Stillzeit. Die Fachzeitschrift der AFS. 5/2002, S. 14

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