Relaktation und induzierte Laktation

Definitionen

  • (Physiologische) Laktation – die Produktion von Milch in der weiblichen Brust nach der Geburt eines Kindes
  • Relaktation – die Wiederherstellung einer Laktation bei einer Frau, die ein Kind geboren hat
  • Induzierte Laktation – die Anregung einer Laktation bei einer Frau, die nie ein Kind geboren hat

Gründe für eine Relaktation

  • Späterer Stillwunsch
  • Frühzeitiges Abstillen
  • Unterbrechung des Stillens, ohne die Milchproduktion aufrecht zu erhalten
  • Kind ist krank oder gedeiht nicht gut
  • Kuhmilchunverträglichkeit des Kindes
  • Mutter-Kind-Trennung wegen Krankheit (Mutter oder Baby)

Hormonelle Steuerung des Stillens

  • Mit der Geburt der Plazenta sinken die Progesteron- und Östrogenspiegel.
  • Prolaktin, das bisher durch Progesteron verdrängt war, wird freigestzt (vordere Hirnanhangdrüse), um reichliche Milchproduktion zu stimulieren.
  • Oxytocin, das den Milchspendereflex steuert, wird durch Bruststimulation freigesetzt (hintere Hirnanhangdrüse).

Stillberatung bei einer Relaktation

  • Nach Gründen für Relaktation fragen
  • Nach Gründen für früheres Abstillen bzw. Nichtstillen fragen
  • Nach der Unterstützung in der Umgebung fragen
  • Motivation, Selbstvertrauen aufbauen
  • Realistische Erwartungen besprechen
  • Mutter und ihren Partner bzw. Familie über den Vorgang ausführlich informieren

Stillmanagement bei einer Relaktation

  • Möglichst viel Hautkontakt
  • Häufiges Stillen
  • Ausreichende Stillzeit - mind. 10-15 Min. pro Brust
  • Zufüttern bei Bedarf, evtl. Abpumpen und Zufüttern mit Löffel oder BES
  • Auf korrekte Stillposition und Erfassung der Brust achten
  • Keine künstlichen Sauger

Möglichkeiten für Zufüttern

  • Ohne Saugen (Löffel, Becher)
  • Mit Saugen (Spritze o.ä. mit Saugen am Finger, evtl. Flasche)
  • Während des Saugens an der Brust (Spritze, Pipette, provisorische Stillhilfe oder BES)

Wenn das Kind die Brust verweigert
(mögliche Gründe)

  • Das Baby ist aufgebracht, weil es zu viel von fremden Personen berührt wurde.
  • Das Baby hat Schmerzen – oder Schmerzen erfahren –, als es in derselben Position gehalten wurde.
  • Das Baby muß zum Stillen seinen Kopf drehen.
  • Das Baby hat durch künstliche Sauger, Schnuller oder Brusthütchen eine Saugverwirrung entwickelt.

Wenn das Kind die Brust verweigert
(mögliche Lösungen)

  • Baby möglichst nur von einer oder zwei Personen berühren, am liebsten am Körper in Haut-zu-Haut Kontakt tragen
  • Eine andere Stillposition
  • Das Weglassen künstlicher Sauger
  • Als letzte Möglichkeit Umgewöhnung von der Flasche zur Brust

Anzeichen für eine geringe Milchproduktion

  • Das Kind hat mit 2 Wochen das Geburtsgewicht noch nicht erreicht.
  • Das Kind nimmt nicht ausreichend zu (115-225 gr/Wo).
  • Das Kind hat weniger als 6 sehr nasse Windeln in 24 Stunden; der Urin ist konzentriert und/oder hat eine intensive gelbe Farbe.
  • Das Kind hat weniger als 2 Stuhlentleerungen in 24 Stunden (erste 4-6 Wochen). Danach kann es seltener sein, aber dafür sollte die Menge groß sein.

Interventionen bei zu wenig Milch

  • Das Stillmanagement optimieren
  • Ein Problem im Mundbereich des Kindes ausschließen
  • Neurologische Probleme ausschließen
  • Hinterlassenene Stücke Plazenta ausschließen, evtl. entfernen lassen
  • Wenn die Milch wirklich nicht reicht, muss zugefüttert werden

Galaktogogen

Kräuter oder Medikamente oder anderen Interventionen, die für die Erhöhung der Milchproduktion eingesetzt werden:

  • Milchbildungstee
  • Domperidon
  • Metoclopramid
  • Chlorpromazin
  • Sulpirid
  • Oxytocin
  • Akupunktur
  • Homöopathie

Warum induzierte Laktation?

  • Adoptiv- oder Pflegekind (manchmal auch von einer Leihmutter ausgetragen)
  • Stärkung der Mutter-Kind-Bindung durch Haut- und Augenkontakt
  • Förderung der Entwicklung der Augenkoordination
  • Förderung der Entwicklung der Mundmotorik
  • Höhere Frustrationstoleranz durch Prolaktin und intensive Bindung
  • Bietet ein Stück biologische Mutterschaft
  • Gelegenheit für Reflexion der Adoption
  • Evtl. bei Milchproduktion Immunfaktoren und optimale Nahrung

Zufütterung ist bei einer induzierten Laktation fast immer notwendig. Am besten wird das Kind während des Stillens direkt an der Brust zugefüttert. Da Zufüttern bei induzierter Laktation eher langfristig ist, eignet sich eine Brusternährungsset (BES) am besten dafür.

Protokolle für Relaktation und induzierte Laktation

  • Nemba (Papua Neu Guinea)
  • Banapurmath (Indien)
  • Newman-Goldfarb (Kanada)

Der Erfolg von Relaktation und induzierter Laktation hängen von den Erwartungen, von der Bereitschaft des Kindes und des mütterlichen Körpers mitzumachen und von der vorhandenen Unterstützung auf allen Ebenen ab. Das Hauptziel – die Mutter-Kind-Bindung – sollte nicht im Gewühl verloren gehen.

 

Elizabeth Hormann, Köln
Dipl. Pädagogin, Still- und Laktationsberaterin IBCLC, langjährige LLL-Beraterin,
Mutter von 5 gestillten Kindern, darunter ein Adoptivkind

15. AFS-Stillkongress 2002
Kurs 20
Relaktation und Adoptivstillen – neue Informationen für das neue Jahrhundert

 

aus: Rundbrief. Die Fachzeitschrift der AFS. 4/2002, S. 14-15

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