Haarausfall nach der Geburt

Ungefähr zwei bis vier Monate nach der Geburt verlieren manche Frauen plötzlich ungewöhnlich viele Haare. Stillende Mütter fragen dann: „Liegt das am Stillen?” Die genauso betroffenen nichtstillenden Mütter stellen diese Frage nicht, sondern suchen gleich nach den tatsächlichen Ursachen.

Jedes Haar hat eine Wachstumsphase, die durchschnittlich 3 Jahre dauert, aber auch deutlich kürzer oder länger sein kann. Anschließend kommt eine Ruhephase, in der das Haar nicht mehr wächst, aber noch einige Monate stehen bleibt, bis es entweder von einem neuen Haar aus der Haarwurzel herausgeschoben oder auch aktiv abgeworfen wird.

Normalerweise sind 5 – 15% der Haare in der Ruhephase. Durch bestimmte Ereignisse können plötzlich ganz viele Haare auf einmal das Wachstum einstellen und in die Ruhephase übergehen. Ungefähr 1 bis 6 Monate (durchschnittlich 3 Monate) später fallen sie dann aus. Dieser akute Haarverlust ist relativ gleichmäßig über den ganzen Kopf verteilt, so dass das Haar insgesamt dünner erscheint, aber keine umschriebenen kahlen Stellen entstehen. Gleichzeitig setzt neuer Haarwuchs ein.

Solche auslösenden Ereignisse können sein:

  • akute schwere Erkrankungen, hohes Fieber, Operationen oder Verletzungen
  • chronische Erkrankungen, z.B. Lebererkrankungen
  • Schilddrüsenstörungen
  • Ernährungsstörungen wie einseitige Diäten mit zu wenig Eiweiß, Anorexie, chronischer Eisenmangel
  • manche Medikamente wie Betablocker, Antidepressiva, Gerinnungshemmstoffe, überdosiertes Vitamin A
  • Schwangerschaft und Geburt

Die Geburt ist übrigens auch für das Kind eine physiologische Herausforderung, auf die nicht wenige Kinder mit einige Monate später eintretendem Haarausfall reagieren.

Also: Als Reaktion auf den physiologischen Stress der Geburt kommt es bei manchen Frauen zu einem mehr oder weniger starken Haarausfall. Dieser Haarausfall kann sich über einige Monate hinziehen, hört dann aber von alleine wieder auf. Schon während dieser Zeit beginnt das Haar neu zu wachsen. Da auch die Art der Ernährung den Haarausfall zu beeinflussen scheint, ist hier – wie überhaupt – eine möglichst abwechslungsreiche, qualitativ gute Kost empfehlenswert.

Wenn der Haarverlust so stark oder so anhaltend ist, dass „Schwangerschaft und Geburt” als Erklärung nicht ausreichen, dann muss weitere Diagnostik durchgeführt werden – wobei es völlig gleichgültig ist, ob die Mutter stillt oder nicht. Denn das Stillen hat mit dem Haarausfall nichts zu tun.

Quellen:
http://www.emedicine.com/derm/topic416.htm
http://www.aocd.org/skin/dermatologic_diseases/telogen_effluvium.html
http://www.dermatology.org/hairinfo/03.html

 

Utta Reich-Schottky

 

aus: Stillzeit. Die Fachzeitschrift der AFS. 1/2003, S. 28

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