Beispiel Eisen - ein Problem der Flaschennahrung

 

Was macht Eisen?
Eisen (Fe) ist ein sehr wichtiger Bestandteil unserer Ernährung. Es wird in den roten Blutkörperchen gebraucht, um Sauerstoff aus der Luft im Blut zu transportieren. Atmet der Mensch vier Minuten nicht, so sterben seine Zellen ab. Ohne Sauerstoff kann keine Zelle überleben. Besonders wichtig ist eine gleichmäßige Sauerstoffversorgung des Gehirns.
Vor der Geburt enthalten die Blutkörperchen einen anderen Sauerstoffträger (fetales Hämoglobin), weil das ungeborene Kind seinen Sauerstoff über das Blut der Mutter erhält. Nach der Geburt wird der Sauerstoffträger umgebaut für die Versorgung über die Luft. Der Abbau ist oft an einer Gelbsucht zu erkennen.

Sicherheit durch Muttermilch
Weil die Versorgung mit Sauerstoff so wichtig ist, hat die Natur Sicherheitsmechanismen eingebaut. Säuglinge kommen mit einem Speicher an Eisen auf die Welt, der für 6 bis 9 Monate ausreichend ist, außerdem enthält die Muttermilch am Anfang besonders viel Eisen.
Die Zusammensetzung der Muttermilch wird durch die Brust sehr strikt reguliert. Die gemessenen Eisenkonzentrationen in der Muttermilch sind sehr unterschiedlich. Folgende Unterschiede können durch die Brust ausreguliert werden und sind nicht für den Eisengehalt der Muttermilch verantwortlich: Ernährung der Mutter, Eisenvorrat der Mutter, Stilldauer, Alter der Mutter, Schwangerschaftsdauer, Infektionen und Umwelteinflüsse wie Eisenaufnahme, Rauchen, Vegetarismus, orale Verhütung vor oder während der Milchbildungszeit.
Selbst Behandlung mit metallfangenden (chelatbildenden) Substanzen bei Krankheiten (Morbus Wilson/Kupferstoffwechselstörung) beeinträchtigen
den Eisentransport vom Blut in die Milch nicht. Es gibt keinen Grund, einem ausgetragenen Säugling in den ersten sechs Monaten zusätzlich Eisenpräparate zu geben, wenn er voll gestillt wird.

Eisengaben?
Bei gut wachsenden, schwedischen Kindern wurde mit 12 Monaten bei einem Viertel der Kinder eine Eisenerschöpfung festgestellt. Ein Mangel (Anämie) konnte jedoch trotzdem nicht festgestellt werden.
Die richtige Menge an Eisen für Babynahrung ist noch unbekannt (Domellof). Die Abwesenheit von Eisenmangelerscheinungen deutet daraufhin, dass die zur Zeit für richtig gehaltenen Eisenwerte zu hoch angesetzt sind. Jedenfalls profitieren die Eisenspeicher gestillter Kinder von zusätzlichen Eisengaben nicht.
Veränderungen in der Regulation der Eisenaufnahme im Alter von 6 bis 9 Monaten verstärken die Fähigkeit des Kindes, sich auf eine niedrige Eisenversorgung einzustellen, und bewirken einen Mechanismus, durch den einige, aber nicht alle Kinder einen Eisenmangel vermeiden können, trotz niedriger Aufnahme in der späteren Kindheit. Wenn gestillte Kinder zwischen 6 und 9 Monaten mit Eisen zusätzlich versorgt werden, haben sie davon keinen Vorteil. Die Aufnahme bleibt niedrig.

Eisentragendes Eiweiß
In der Muttermilch gibt es ein Eisentransportprotein, Laktoferrin, durchschnittlich 1,4 mg/ml (Satuegarcia). Es wirkt bakterienhemmend, weil es Eisen bindet. Bakterien brauchen Eisen zum Wachsen. Bindet Laktoferrin das Eisen, so können sie nicht mehr wachsen.
In Kunstmilch sind nur 0,1 mg/ml dieses besonderen Stoffes. Stattdessen enthält Flaschennahrung bis zu 12 mg/l Eisen gegenüber Muttermilch mit 0,8 mg/l.

Beikost
Das Eisen aus Gemüse soll durch Zugabe von Fleisch besser aufgenommen werden können. Die Aufnahme von Eisen wird stark davon beeinflusst, was gleichzeitig gegessen wird.
Der hohe Eisengehalt von Spinat (heute 1,14 mg/100 g) war ein Gerücht, ein Rechenfehler. Andere Lebensmittel enthalten viel mehr Eisen, z.B. Blumenkohlblätter 40,0 mg/100 g.

Flaschennahrungsproblem Eisen
Muttermilch (0,08 mg/100 g) enthält mehr Eisen als Kuhmilch (0,046 mg/100 g). Die Eisenkonzentration ist also ein Problem für die Babynahrungsindustrie.
Das Eisen aus der Muttermilch kann zu 50-75 % ins Blut aufgenommen werden, weil es mit den richtigen Stoffen zusammen geliefert wird. Anders ist das bei der Kuhmilch, hier werden nur 7-10 % aufgenommen, was das Problem verschärft. Bei Flaschennahrung, in künstlicher und toter Umgebung, geht die Aufnahme sogar auf 5-7 % zurück.
Die einzige Möglichkeit, Flaschenkindern genug Eisen zuzuführen, besteht in einer hohen Zufügung von Eisen (12 statt 0,8 mg/l), fünfzehnfache Überdosierung.

Literatur
Domellof, M. et al., American Journal of Clinical Nutrition 1, 76, Seite 198-204, 2002
Domellof, M. et al., American Journal of Clinical Nutrition 4, 76, Seite 858-864, 2002
Dorea, J.G. et Miazaki, E.S., Fertility and Sterility 72, 2, Seite 297-301, 1999)
Dorea, J.G., Nutrition 16, 3, Seite 209-220, 2000
Engelmann, M.D.M. et al., Pediatric Researche 43, 6, Seite 768-773, 1998
Persson, L.A. et al., Acta Paediatrica 87, 6 Seite 618- 622, 1998
Satuegracia, M.T. et al., Journal of Agricultural and Food Chemistry 48, 10, Seite 4984-4990, 2000

 

Dr. Christiane Bergmann
Medizinischer Beirat der AFS

 

aus: Stillzeit. Die Fachzeitschrift der AFS. 6/2003, S. 13

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