Kaltgepresste Öle für Babys? Ja!


Durch Internetforen, Broschüren und Bücher (z. B. [3]) geistert die Warnung: Keine kaltgepressten Öle für Babys! Meine Recherche förderte im Wesentlichen zwei Argumente zu Tage: Im Vergleich zu raffinierten Ölen enthielten kaltgepresste Öle mehr Schadstoffrückstände und sie enthielten mehr Peroxide, und beides könne den Babys möglicherweise schaden.

Schadstoff-Rückstände im Öl

Bei der Raffination von Speiseölen aus Pflanzensamen, Keimlingen oder Früchten werden Pestizide und Schwermetalle entfernt. Pestizide werden in konventionell angebauten Nahrungsmitteln regelmäßig gefunden. Dagegen hilft der Kauf biologisch angebauter Produkte.

Auch diese können mit „überschwappenden“ Pestiziden verunreinigt sein, allerdings ist der Gehalt an derartigen „zufälligen“ Schadstoffen gering. Vor allem werden beim biologischen Anbau keine zusätzlichen Pestizide eingebracht. Die Artenvielfalt bei Pflanze und Tier sowie die Bodenfruchtbarkeit werden geschützt und gefördert. Für mich persönlich sind diese Aspekte wesentlich für die Kaufentscheidung.

Zu Schwermetallen habe ich nur die pauschale Angabe gefunden, dass sie in den Ölen enthalten sein können, aber keine konkreten Zahlenangaben.

Peroxide

Hier wird es kompliziert. Die „Peroxidzahl“ (POZ) gibt den Gehalt eines Öls an Peroxiden an. Peroxide entstehen in Ölen mit ungesättigten Fettsäuren spontan durch deren Reaktion mit dem Sauerstoff der Luft. Peroxide sind unerwünscht, weil sie Radikale bilden und diese in größeren Mengen die Zellen schädigen können.

Die Leitsätze des Deutschen Lebensmittelbuches geben als Richtwert für raffinierte Öle eine maximale POZ von 5 an und für kaltgepresste Öle von maximal 10 [1]. Leider steht in den Leitsätzen nicht, auf welchen toxikologischen Befunden oder Annahmen sie beruhen und welche Rechenoperationen und Sicherheitsmargen zugrunde gelegt wurden; es steht dort auch nicht, weshalb für raffinierte und kaltgepresste Öle unterschiedliche Richtwerte gelten.

Biologisch plausibel ist die Überlegung, dass bei kaltgepressten Ölen eine höhere POZ durch andere günstig wirkende Inhaltsstoffe dieser Öle wie z. B. Tocopherole (Vitamin E) ausgeglichen wird. Vielleicht hatte die zuständige Kommission, der auch Vertreter der Lebensmittelwirtschaft angehören, nur die technologischen Möglichkeiten der Industrie im Blick [2].

Native Öle haben in der Regel ab der Pressung eine POZ von 3 bis 5 [4]. Durch Raffination werden die Peroxide abgebaut bis zu einer POZ von Null. Allerdings steigt der Peroxidgehalt anschließend bei der Lagerung wieder an, je nach Qualität des Öls und den Lagerbedingungen unterschiedlich schnell – und schon beim Stehen der Probe während der Bestimmung kann sich der Peroxidgehalt verändern, was zu einer hohen Messunsicherheit führt [4].

Laut Reformhausfachakademie ist bei kaltgepressten Ölen „der Gehalt an Peroxiden, als Produkte des Fettverderbs, kaum höher als bei raffinierten Ölen, solange frische, gesunde Ölfrüchte verwendet werden, und das Öl sachgemäß behandelt und gelagert wird“ [5]. Werden also zwei Flaschen Öl gekauft, ein raffiniertes Öl für das Baby und ein kaltgepresstes Öl für den Rest der Familie, steht das Öl für das Baby bei den geringen Tagesmengen, die ein Baby braucht, lange herum. In dieser Zeit kann die POZ dieses Öls deutlich über die POZ des frischen kaltgepressten Öls für die übrige Familie ansteigen. Sehr kleine Flaschen zu kaufen erhöht unnötig die Kosten und die Müllberge.

Literatur

  1. Das Deutsche Lebensmittelbuch: Leitsätze Speisefette
  2. Das Deutsche Lebensmittelbuch
  3. Eugster G: Babyernährung gesund & richtig: B(r)eikost und Fingerfood nach dem 6. Lebensmonat. Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH 2009, ISBN 978-3437274817
  4. Granovita Kundenbetreuung, persönliche Mitteilung 2011
  5. Reformhausfachakademie Lexikon, gefunden bei http://www.granovita.de/granoVita/service/Lexikon/K/Kaltpressung
  6. Wagner M, Oehlmann J. Endocrine disruptors in bottled mineral water: Estrogenic activity in the E-Screen. The Journal of Steroid Biochemistry and Molecular Biology, ISSN 0960-0760, DOI: 10.1016/j.jsbmb.2010.10.007. Synopsis by Brandon Moore 2011.

 

Utta Reich-Schottky
2. Vorsitzende AFS, medizinischer Beirat AFS und Gutachterin BFHI

 

aus: Stillzeit. Die Fachzeitschrift der AFS. Heft 3/2011, S. 14-15

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