Bonding


Als Bonding bezeichnen wir den Bindungsaufbau zwischen Eltern und Kind. Aus vielen Untersuchungen und Studien wissen wir heute, dass den ersten Stunden nach der Geburt eine ganz besondere Bedeutung für den Aufbau der Bindungsfähigkeit unserer Kinder zukommt.

Daher ist es glücklicherweise inzwischen in fast allen Entbindungseinrichtungen Standard, neugeborene Babys sofort nach der Geburt in den Hautkontakt zu ihrer Mama oder – falls dies nicht möglich ist – zu ihrem Papa zu geben. In babyfreundlich zertifizierten Häusern bleibt dieser wichtige Hautkontakt bis zum ersten Stillen oder – wenn die Kinder nicht stillen möchten – für mindestens 2 Stunden ununterbrochen bestehen. Erst danach erfolgen die Routinemaßnahmen.

In vielen anderen Einrichtungen wird aber der Hautkontakt schon viel früher für die „Vermessung“ der Kinder unterbrochen oder sogar beendet. Aber der Prozess des Bindungsaufbaus ist selbstverständlich nicht nach spätestens 2 Stunden abgeschlossen! Unsere Kinder benötigen diesen engen Hautkontakt noch viel, viel länger und intensiver!

Auf Grund unserer Erfahrungen und dem Wissen über die Wichtigkeit des Hautkontaktes für die Entwicklung der Bindungsfähigkeit haben wir bei uns den Umgang mit den neugeborenen Babys verändert. Wir empfehlen den Eltern das Bonding mit ihren Babys so lange und oft wie möglich. Inzwischen gibt es bei uns immer mehr Babys, die das erste Mal angezogen werden, wenn sie die Klinik verlassen.

Alle Babys werden unter Schmerzen und Stress in eine ihnen völlig unbekannte neue Umgebung geboren, und es ist von nun an wirklich nichts mehr so, wie es einmal war. Seit sie existieren waren sie ununterbrochen im engsten Kontakt mit ihrer Mama. Sie konnten ihre Mama ständig fühlen, schmecken und riechen. Sie hörten ständig ihren Herzschlag, ihre Darmgeräusche und spürten ihre immerwährenden Atembewegungen.

Nach dem anstrengenden Prozess der Geburt werden die Babys in eine Welt geboren, welche kalt und hell ist. Plötzlich gibt es Schwerkraft und selber atmen müssen sie auch noch! Nach der rundum Versorgung durch die Nabelschnur müssen die Babys nun die selbständige Nahrungsaufnahme lernen und es beginnt in ihrem Bäuchlein zu rumoren, da der Darm seine Tätigkeit aufnimmt. Welch eine beängstigende, neue Welt ist das wohl für diese kleinen Wesen?

Instinktiv suchen sie den Hautkontakt zu einem Menschen, am liebsten zu ihrer Mama, weil sie sich so vertraut anfühlt. Dort können sie mit ihrem gesamten kleinen Körper fühlen, was ihnen bekannt ist: Die ständigen Atembewegungen, das vertraute Geräusch des Herzschlages und der anderen Geräusche in uns. Endlich können sie sich entspannen und beginnen Vertrauen aufzubauen.

Wir erleben in unserer Arbeit täglich, in welche Panik die Kinder verfallen können, wenn sie versorgt werden müssen und aus dieser vertrauten Situation herausgeholt werden. Sie schreien und rudern mit ihren Ärmchen auf der Suche nach Begrenzung. Sie werden mit so vielen neuen Erlebnissen konfrontiert, sie werden gedreht, gehoben, abgelegt, gewaschen… Die meisten Babys finden das alles eher schrecklich. Kommen sie im Anschluss aber gleich wieder zurück ins Bonding, ist alles schnell vergessen. Sie kuscheln sich ein und entspannen.

Bondingsäckchen 1Bondingsäckchen 2Bondingsäckchen 3

Um diesen häufigen Hautkontakt zu erleichtern, haben wir bei uns die Bondingsäckchen eingeführt. Sie ermöglichen es, die Kinder für einige Zeit aus dem Hautkontakt zu nehmen, ohne die Gefahr des Auskühlens. Die Kinder werden ganz oben auf das Bondingsäckchen abgelegt. Die Flügel werden nun ganz eng über die Schultern um den gesamten Körper und dann unter den Popo gelegt. Dann braucht nur noch die Decke hochgeschlagen zu werden und die Kinder können so  ganz kuschelig und warm eingepackt die Zeiten verbringen in denen sie nicht im Bonding sind und danach ganz einfach zurückkehren. Weit ausgeschnittene, dehnbare T-Shirts haben sich übrigens als optimal erwiesen, weil die Kinder sehr gut darunter gesteckt werden können und so ganz eng an den Körper geschmiegt sind.

Unsere Erfahrungen mit dieser Praxis sind enorm gut. Die Kinder kommen deutlich schneller auf dieser Welt an. Vor allem angespannte und gestresst wirkende Kinder profitieren sehr vom verstärkten Hautkontakt. Die oft stark erhöhte Körperspannung dieser Kinder wird durch das Bonding deutlich schneller reduziert und die Kinder sind viel früher in der Lage zum Beispiel ein gutes Saugverhalten zu zeigen.

Eine erhöhte Körperspannung zeigt sich immer auch im orofacialen Bereich mit meist enormen Stillschwierigkeiten. Angespannte Kinder bekommen in aller Regel den Mund nicht weit genug auf um die Brust gut einsaugen zu können, oft schieben sie mit ihren Zungen die Brustwarze wieder aus dem Mund heraus oder beißen. Diese anfänglichen Schwierigkeiten bekommt man mit dem intensiven Hautkontakt meist ganz schnell gelöst. Das „selbst Anlegen der Kinder“ geschieht im nackten Hautkontakt deutlich öfter und unkomplizierter. Im Hautkontakt wird sowohl bei der Mutter als auch beim Baby viel Oxytocin ausgeschüttet. Dieses „Liebeshormon“ macht beide füreinander empfänglich und vertieft ihre Liebe und ihr Vertrauen.

Wir können von unserer Empfehlung, die Kinder nach der Geburt so lange und oft wie möglich im nackten Hautkontakt zu halten, nur Positives berichten. Selbst sehr skeptische Kolleginnen sind inzwischen von den guten Erfolgen überzeugt. Das Bondingsäckchen hilft den Eltern bei der Umsetzung unserer Empfehlungen ausgesprochen gut.

Weitere Informationen zu den Bondingsäckchen können Sie unter der Emailadresse Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! bekommen.

 

Manuela Frings
IBCLC

 

aus: Stillzeit. Die Fachzeitschrift der AFS. Heft 4/2011, S. 23-24

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